Sehenswert

„Adalen 31“ von Bo Widerberg. Im Sommer des Jahres 1931, während eines Streiks schwedischer Hafenarbeiter, macht der Arbeiterjunge Kjell seine ersten Erfahrungen mit Liebe und Tod, mit sozialen Konflikten und konkreten gesellschaftlichen Machtverhältnissen. Widerberg zeichnet ein nuancenreiches, trügerisches Idyll, in Bildern von überwältigendem visuellen Reichtum, in das schleichend die Anzeichen kommender Gewaltausbrüche Einzug halten. Ohne je in simpel tautologisierende Schwarzweißmalerei zu verfallen, analysiert Widerberg gesellschaftliche Widersprüche. Gerade weil sich der Film nicht nur linear auf den historischen Streik konzentriert, sondern immer wieder scheinbar abschweift und impressionistisch Eindrücke jenes Sommers in Adalen sammelt, auch komödiantische Kontrapunkte setzt zur eher bitteren Entwicklung der Geschichte, wird Historie sinnlich erfahrbar. „Adalen 31“ ist ein ebenso wichtiger wie gelungener Film, der erst jetzt mit achtjähriger Verspätung in unsere Kinos kommt Bodo Fründt

Beachtlich

„C’est la vie Rrose – ein Junggesellenspiel“ von Hans-Christof Stenzel, erzählt die Geschichte eines Schiffsjungen mit Schachspiel, das er nicht der Alliteration, sondern Marcel Duchamps wegen ständig mit sich herumschleppt. Der nämlich war ein passionierter Schachspieler – auf seinem Platz vor dem steinernen Schachtisch am New Yorker Washington Square sitzt nun stellvertretend John Cage, ein Freund Duchamps, der dem abgemusterten Seemann freundlich entgegenlächelt In New York begegnet der Held auch Hannah Wilke, die ihm die Kunst erklärt, aus farbigem Kaugummi erotische Mini-Plastiken zu formen, und hinter Duchamps „großem Glas“ einen Striptease vorführt. Eine durchaus angemessene Interpretation des Werkes mit dem Titel „Die Braut von ihren Junggesellen entkleidet“. Nach dem bizarr mißglückten Zwischenspiel bei einem Pudel-Pflegesalon, der seinen Namen einem Wortspiel Duchamps entlehnt hat, beschließt der Schiffsjunge sich zu verkleiden. Er trampt als Schachhure durch die Staaten. Der Transvestit – er ist nun Rrose Selavy, die Verkörperung von Duchamps femininem Alter Ego – geht auf einen Trip mit tödlichem Ausgang. Die letzte Einstellung zeigt ihn ermordet in der Haltung von Duchamps letztem Werk – C’est la vie Rrose. Der Film ist Marcel Duchamp gewidmet Vielleicht hätte er ihm gefallen... Helmut Schneider

Mittelmäßig

„Die Tiefe“ von Peter Yates. In der Tiefe des Meeres lassen sich Millionen verdienen. Keiner weiß das besser als Peter Benchley, der Drehbuchautor des „Weißen Hai“. Diesmal wartet er mit zwei versunkenen Schatzschiffen auf: ein mit kostbaren Kleinodien gefüllter spanischer Segler und ein mit Morphium und hochexplosiver Munition beladenes Wrack. Nach den Schätzen tauchen Gute (Jacqueline Bisset und Nick Nolte) und Böse (eine Bande farbiger Drogenhändler) sowie Robert Shaw als „Tauchexperte“, der sich exzentrisch undurchsichtig gebärdet und stets in voller modischer Kleidung ins Wasser springt Unter Wasser ist alles technisch perfekt und recht kurzweilig inszeniert, zumal natürlich Haie und andere Meeresungeheuer die Tiefe bevölkern. Doch an Land ähnelt der Film fatal einem gestrandeten Wal, der im ungewohnten Element kurz vor dem Exitus steht Bodo Fründt

Empfehlenswerte Filme

„Drei Frauen“ von Robert Altman. „The Late Show – Die Katze kennt den Mörder“ von Robert Benton. „Nordwestwind“ von Jacques Rivette. „Die Vertreibung aus dem Paradies“ von Niklaus Schilling.