Von Joseph Beuys

Immer dabei, sozusagen als alter Kämpfer seinen tragisch launiglanggezogenen Ton dazwischenspielend: Arthur (Addi) Koepcke

Arthur (Addi) Koepcke ist am 20. Oktober in Kopenhagen im Alter von 49 Jahren gestorben. Er wurde in Hamburg geboren. In einem großen Umfeld wirksam zu werden, wurde aus seiner seelischen Verletzung heraus, die er während des Krieges durch die Zerstörung der Elternstadt und den Tod seiner jungen Mutter erlitten hatte, verursacht. Befremdet durch die Form des „Wiederaufbaus“ nach 1945, den er als erneute Zerstörung erlebt, geht er nach Kopenhagen und wird dänischer Staatsbürger. Die Dänen verdanken ihm viel, er wiederum dem damals dort von Asger Jörn und den Situationisten angeführten Kunstleben.

Koepcke regte die dänische Kunst durch seine eigenen Aktionen und durch die Vermittlung der neuen Tendenzen der europäischen Kunst nachhaltig an. In seiner Galerie Lille Kirkestraede zeigte er Tinguely, Spoerri, Niki de St. Phalle, Diter Rot, Manzoni. Emmett Williams wurde sein Freund und blieb es bis zuletzt. Den jungen dänischen Künstlern Kirkeby, Gernes, Christiansen, Nörregaard, Andersen, Jensen und vielen anderen hat er nicht nur wichtige Hinweise gegeben; über ihn lief auch meist der Zufluß der dänischen und schwedischen Aktionskünstler wie Af Klintberg und Alzon zu den großen Fluxus-Demonstrationen der sechziger Jahre in Amsterdam, Stockholm, Wiesbaden, Düsseldorf, Paris, Aachen. Addi war immer dabei, sozusagen als alter Kämpfer seinen tragischen launig-langgezogenen Ton dazwischenspielend, der aggressiv auf Wahrnehmung der Abgründe in den verlassenen irrealen Sprachbildern drängte. Die berühmten Puderbilder wurden bei Gelegenheit aus dem Koffer gezogen. Weiter auf der übernächsten Seite.

1973 dann Professur an der Königlichen Kunstakademie; aber wer wie er in Hamburg seine Erkenntnisse in einem Delikatessgeschäft, im Werbebüro, bei der Hafenverwaltung, der Friedhofverwaltung und beim Bahnpostamt gewonnen hatte, der mußte da wieder weg, der konnte auch nicht daran glauben, daß man so zum Leben und zum Tode kommt. Ja, man könnte nicht einmal andere sagen lassen, was man sonst selbst so alles über diese Zeit formulierte, wie jener Flugkapitän einer Maschine, die in New York gelandet war und Addi kam nicht heraus, alle Fluggäste waren aber schon lange durch den Zoll gegangen, und als René Block ihn fragte, sagte er, „einer ist noch da, aber der kann nicht mehr laufen“.

Fill with own Imagination! war ja schon immer seine Empfehlung an alle gewesen. Nun, die Gestalt ist da. Das Innenbild der Sprache hat die Materie ergriffen. Hinfällig ist der Leib. Slut med dat gå (Schluß mit dem Gehen), ein frühes Stück von ihm wird aufgeführt. Ein anderes aus derselben Zeit heißt: continue! „Mach’s Fenster auf, halt ’ne Rede, ist das Resultat nicht gut, halt ’ne neue Rede“, und Bischof Gruntvig hat gesagt:

Dänemarks Tote sind nur Träumer und werden balde auferstehen.