Von Wolfgang Hoffmann

Der erste Luftwaffeninspekteur nach Zweiten Weltkrieg, Vier-Sterne-General Josef Kammhuber, reagierte verletzt, als ihm nach seiner Pensionierung nachgesagt wurde, er habe sich als Lobbyist in der Industrie verdingt. Der Ex-Offizier dementierte barsch: "Ich habe im Gegenteil mehrfach Angebote von Firmen und Organisationen zu einer solchen Tätigkeit abgelehnt."

Nachfolger Werner Panitzki, als Generalleutnant nur mit drei Sternen dekoriert, gab sich da weniger pingelig. Er verteidigte seine Dienste bei der Firma Europavia sogar offensiv: "Es wäre doch bedauerlich, wenn eine Reihe von Talenten brachlagen, die in der Wirtschaft hervorragend eingesetzt werden, besonders im Management."

Was sich in den Äußerungen der beiden ehemaligen Luftwaffeninspekteure widerspiegelt, ist der seit langem schwelende Konflikt um ehemalige Offiziere im privaten Sold, insbesondere bei der Rüstungsindustrie. Wenn Soldaten oder Beamte des Verteidigungsministeriums vor allem bei Firmen tätig werden, mit denen sie zuvor während des aktiven Dienstes zu tun hatten, nährt das den Verdacht einer Rüstungskumpanei zwischen Industrie und Truppe – zwischen Auftraggeber also und Auftragnehmer.

Das Problem ist so alt wie die Bundeswehr. Nach dem Zusammenbruch 1945 zog es die ehemaligen Wehrmachtsoffiziere zunächst mangels militärischer Weiterverwendung notgedrungen in die Industrie. So haben bekannte deutsche Industriemanager ihre ersten Meriten als Soldat im Krieg verdient. Generalstabsmajor Kurt Lotz stieg bei VW nach oben, Oberstleutnant Ludwig Poullain wurde Spitzenbankier, Generalstabsmajor Egon Overbeck machte bei Mannesmann Karriere, Oberstleutnant Toni Schmücker sanierte gleich zwei große Firmen, zunächst Rheinstahl, nun VW.

Einige Ehemalige zog es mit Beginn der Wiederaufrüstung unmittelbar in die einschlägige Branche. Panzergeneral Walter Wenck beriet Diehl in Nürnberg, wo Panzerketten und Munition hergestellt werden. Reitergeneral Siegfried Westphal trat in die Dienste der rheinischen Stahlwerke. Fliegergeneral Adolf Galand machte sich als Berater auch für Rüstungsfirmen selbständig.

Wer nach Gründung der Bundeswehr nicht in der Wirtschaft blieb, sondern den grauen Rock erneut anzog, suchte dann nach der Pensionierung häufig wieder Anschluß ans zivile Leben. General Hellmut Mäder zum Beispiel verdingte sich bei der Waffenschmiede Rheinmetall, verlor dann aber diesen Job, als nach seinem Ausscheiden aus der Truppe ruchbar geworden war, daß der hochdekorierte Soldat während der Dienstzeit anfällig für allerlei Geschenke aus der Privatwirtschaft gewesen ist. Dafür und wegen anderer Verfehlungen mußte er zwei Jahre in den Bau – den zivilen allerdings. Selten endete eine militärische Karriere nach dem Ruhestand so düster wie diese.