Andere hatten Erfolg:

  • General a. D. Johannes Steinhoff ging wie sein Inspekteursvorgänger Panitzki in die Luftfahrtindustrie. Er wurde Aufsichtsratsmitglied der süddeutschen Firma Dornier.
  • Generalmajor a. D. August Hentz, einst Kommandeur der 2. Luftwaffen-Division, wurde Bonner Vertreter der US-Flugzeugfirma Boeing.
  • Brigadegeneral a. D. Uwe Köster vertritt Interessen der Boeing-Konkurrenz Grumman und wirbt in Bonn für deren Frühwarnsystem „Falkenauge“ (Hawkeye).
  • Brigadegeneral a. D. Kurt Gieser hatte nach dem Ende seiner aktiven Tage bei der Ludwigshafener BASF neue Arbeit gefunden und sich dort noch ganz munter gezeigt.
  • Deir ehemalige Generalinspekteur Albert Schnez kam bei dem Spediteur Kühne und Nagel unter Vertrag. Das Unternehmen transportiert für die Bundeswehr.
  • Generalleutnant a. D. Bernd Freiherr von Freytag-Loringhoven fand bei dem Elektronikunternehmen Deutsche Philips Unterkommen.

Kaum eine Firma, die auf sich hält, die vor allem im regen Geschäftsverkehr mit der Bundeswehr steht, versäumte, sich einen pensionierten Offizier einzukaufen: Waffen- und Flugkörperproduzent Messerschmitt-Bölkow-Blohm hatte zeitweilig drei frühere Soldaten im Generalsrang auf der Gehaltsliste. Die deutsche Philips holte sich einen Generalmajor ins Haus, Blohm und Voss einen General. AEG, Siemens und Bayer begnügten sich mit Oberstleutnanten; Krupp gar gab sich mit einem Major zufrieden.

Friedrich Flick desgleichen; er verfügte nämlich lange Zeit auch ohne solche Hilfe über einen hervorragenden Draht nach Bonn. Denn der inzwischen verstorbene frühere Flick-Bevollmächtigte Wolfgang Pohle war erst CDU-, dann CSU-Mitglied; er saß im Verteidigungsausschuß des Bundestags wie im rüstungswirtschaftlichen Arbeitskreis des Verteidigungsministeriums, wo sich zweimal jährlich die Spitzen der Rüstungsindustrie mit denen der Truppe zu zwanglosem Tête-à-tête treffen.

Es wechseln aber nicht nur Soldaten die Fronten; Zivilisten sind gleichfalls dabei. Zwei ehemalige Rüstungsstaatssekretäre gingen zur Industrie, der verstorbene Werner Knieper zu VFW-Fokker, Siegfried Mann als Hauptgeschäftsführer zum BDI, wo das Thema Rüstung aber Tabu für ihn bleiben soll. Ein weiterer, Ernst Wolf Mommsen, kam aus der Industrie und ging wieder nach dort – zu Krupp – zurück.

Die Funktionen der Ehemaligen sind variantenreich. Offiziere dienen mal als Repräsentanten auf dem Bonner Parkett, mal als Akquisiteure für Beschaffungsaufträge, bieten sich als Verbindungsleute zwischen Industrie und Truppe an, aber auch – unbestritten – als kenntnisreiche Sachberater für Unternehmen im Waffengeschäft. Über Ex-General Henning Wilcke, Bonner Verbindungsmann von Dornier, schrieb die Zeitschrift Wehrtechnik: Er betont, „daß er keine Verkaufstätigkeit ausübt, sondern seinen Spezialisten in München und Friedrichshafen erklärt, wann man sich an wen in welcher Sache zu wenden habe“.

Die Gründe für den Wechsel von Offizieren zur Wirtschaft sind vielfältig. Für Industrielle sind Ex-Militärs stets dann interessant, wenn sie ihnen die Kenntnis der Entscheidungsstrukturen und -mechanismen im Verteidigungsministerium vermitteln können. Ein Unternehmen, das sich des Know-hows eines Generals bedient, hat gewiß einen Wettbewerbsvorsprung vor dem Mitbewerber, der über dieses Wissen nicht verfügt.