Hamburg

In der Mönckebergstraße glitzert die Weihnachtsreklame. Das Häuflein Menschen, das sich vor der Petrikirche eingefunden hat, um von Hartmut Gründler zu reden, der sich eine Woche zuvor aus Protest gegen den Bau von Atomkraftwerken an dieser Stelle selbst verbrannte, verschwindet in der Menge der Einkaufslustigen.

Hartmut Gründler? "Kenn’ ich nicht." – So schnell geht das. Und die Polizisten, die sich in Autos hinter der Hamburger Petrikirche verschämt postieren, werden nicht gebraucht. Hartmut Gründler ist schon wieder vergessen, kaum daß sein Tod vermeldet worden ist.

In Hamburg regnet es, als die Gedenktafel vor der Petrikirche enthüllt wird. "Wir wollten keinen Wirbel machen"; sagt Pastor Kleinen, einer der Initiatoren dieser Gedächtnisaktion.

Auf der Gedenktafel ist zu lesen: "Hartmut Gründler verbrannte sich hier. Er wollte sein eine Fackel des Protestes gegen den gewissenlosen Ausbau von lebenszerstörender Atomenergie. Wir sind betroffen. – Initiative kirchlicher Mitarbeiter und gewaltfreie Aktion Hamburg."

Doch die Karawane von Kaufwütigen zieht vorbei, ohne haltzumachen. Der Kugelschreiber, den man zu Weihnachten vielleicht verschenken will, ist im Augenblick wichtiger als das Gedenken an einen Mann, der sich – gleichgültig, ob man sein Opfer für sinnvoll hält oder nicht – aus Protest gegen die Gefahren der Atomenergie verbrannte.

In seinen Briefen hatte Hartmut Gründler geschrieben: "Ich bin gar nicht grundsätzlich gegen Atomenergie, sondern einzig für redliche Information und redliche öffentliche Diskussion."

Hartmut Gründler gab dafür sein Leben, doch das Gedenken an ihn vor der Hamburger Petrikirche ist nur noch Form. "Wäre es nicht besser", sagt einer, "die Leuchtreklame abzuschalten?" Gerhard Seehase