DIE ZEIT

Letzte Woche in Jerusalem

Keiner, der den Orient kennt und die verschlungenen Wege seiner Politik, wird die Frage ohne Zögern bejahen wollen. Aber niemand, der in der Geschichte mehr sieht als eine Abfolge steriler Verwaltungsakte, kann leugnen, daß sich nach dreißig langen Jahren unversöhnlichen Gegeneinander vielleicht ein neuer Entwicklungsknoten schürzt.

Zeitspiegel

Nun hat auch Großbritannien seinen Wallraff-Fall. Zwei Reporter des Sunday People ließen sich als freiwillige Helfer im Calderstones Hospital für geistig Behinderte einstellen; als Ergebnisse ihrer mehrwöchigen Beobachtungen veröffentlichten sie einen Artikel über "Freie Liebe" unter den Patienten: Jedes Jahr vier uneheliche Geburten, zahlreiche Abtreibungen und "Sex für Zigaretten".

Ein Fedayinkämpfer für den Frieden

Die Entschlossenheit zur kalkulierten Tat hat Anwar el-Sadat stets ausgezeichnet, obwohl der pfeifenrauchende ägyptische Staatspräsident immer fast streßlos jovial wirkt.

Ägypten hat die Lebensberechtigung des Judenstaates anerkannt. Folgen die übrigen arabischen Länder seinem Vorbild?: Zum Frieden ist der Weg noch weit

Es waren lauter historische Premieren: Der ägyptische Staatspräsident Anwar el-Sadat grüßte die blau-weiße Fahne mit dem Davidsstern, er stand im Jerusalemer Parlament am Rednerpult vor dem Bild des Zionistenführers Theodor Herzl, er lachte schallend über ein Scherzwort "der eisernen Großmutter" Golda Meir, er nannte den israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin "mein Freund".

Parteitag: Im Zeichen des Dreigestirns

Die SPD kommt allmählich mit sich selbst ins reine. Sie wird zufrieden mit dem, was sie hat. Das war nicht immer so – und das muß nicht so bleiben.

Das Wüten der Roten Brigaden

Keine Schwäche vor dem Terrorismus zeigen und schon gar keine Hysterie – bei dieser Devise blieb der italienische christdemokratische Innenminister Cossiga letzte Woche in der Parlamentsdebatte über die innere Sicherheit, obschon seine eigene Partei ein Hauptziel der "Roten Brigaden" geworden war.

Der Fall Croissant: Viel Verdacht, wenig Beweise

Schon mit der ersten öffentlichen Äußerung, die Klaus Croissant nach seiner erzwungenen Rückkehr aus Frankreich in die Bundesrepublik von sich gab, konnte er einen publizistischen Punktsieg erringen: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung mußte am Dienstag dieser Woche eine Gegendarstellung Croissants drucken, in der ihre Leser darüber belehrt wurden, daß die tags zuvor gemeldeten "neuen Einzelheiten", derentwegen dem ehemaligen Baader-Meinhof-Anwalt demnächst in Stuttgart der Prozeß gemacht werden solle, keineswegs neu sind.

Mehr Unruhe in Athen?

Melina Mercouri hat versprochen, nie wieder "Sonntags nie" zu singen. Denn am vergangenen Sonntag wurde sie in Piräus mit überwältigender Mehrheit ins griechische Parlament gewählt, getragen von der Erfolgswelle der "Panhellenischen Sozialistischen Bewegung" (Pasok) des Andreas Papandreou.

Kernfrage Kernenergie

Nach geologischen Untersuchungen glaubt das baden-württembergische Wirtschaftsministerium, daß im Schwarzwald (südlich des Feldbergs) und im Raum Baden-Baden/Gernsbach rund 4000 Tonnen Uran liegen, deren Abbau schon heute wirtschaftlich möglich wäre.

BONNER BÜHNE:: Pferdestall und Hundebiß

Als erste der vier Bundestagsparteien wird sich die CDU in der nächsten Woche mit einem Thema beschäftigen, das zwar viele bereden, das aber bisher nur wenige ernsthaft beackert haben: mit den geistigen und gesellschaftlichen Ursachen des Terrorismus.

Harte Fronten im Feuerwehr-Streik

Thomas Mann war nicht mehr zu retten, und auch seiner jüngeren Schwester Sarah gelang es nicht, das brennende Schlafzimmer rechtzeitig zu verlassen.

Hoffnungsbote Concorde

Nur ein paar Dutzend Umweltschützer protestierten, als am Dienstagmorgen mit der ersten fahrplanmäßigen Landung der "Concorde" auf dem John F.

Wolf gang Ebert: Beliebte Gäste

Wie kommt es eigentlich, daß gewisse Politiker, die den Terror bei uns verabscheuen, so häufig in Länder reisen, die im Ruf stehen, von Terror-Regimen beherrscht zu werden? Keineswegs, Weil sie für so ein Regime besondere Sympathien hegen, sondern nur, weil sie Kunden der Reise-Agentur Inter-Antiko sind, die ihnen besonders verlockende Angebote macht.

Soares bei Suárez: Gleiche Wurzeln, gleiche Sorgen

Die beiden Namensvettern begrüßten sich am vergangenen Montag auf dem Madrider Flughafen mit neugieriger Herzlichkeit: Adolfo Suárez, seines Zeichens spanischer Ministerpräsident, und sein portugiesischer Amtskollege Mario Soares.

Resozialisierung: Lektion in Sachen Ehe

Sie führen ein Leben hinter Gittern und fürchten sich vor der Rückkehr in den Alltag: die Gefangenen der Justizvollzugsanstalt Schwerte-Ergste, die sich auf einem Eheseminar in der sauerländischen Familienferienstätte Willingen-Schwalefeld auf ein Leben ohne Schloß und Riegel vorbereiten.

Asylrecht: Schindluder mit der Sozialhilfe

Sie kommen mit Interflug-Maschinen aus Damaskus oder auch mit KLM aus Holland auf dem Ost-Berliner Flughafen Schönefeld an. Ein Zettel in ihrer Landessprache weist ihnen den rechten Weg: mit dem Flughafenbus direkt nach West-Berlin oder mit der S-Bahn über den Bahnhof Friedrichstraße.

Tauschgeschäft: Geschenk vom Kernkraftwerk

Für Bayerns Umweltminister Alfred Dick war es schlichtweg "ein Kunststück", was da sein niederbayerischer Parteifreund Josef Deimer, seines Zeichens Oberbürgermeister der Regierungsmetropole Landshut, fertigbrachte.

Erholungswert beeinträchtigt

Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg ist von der Kreis Verwaltung aufgefordert worden, den als Standort für die Wiederaufbereitungsanlage und Atommülldeponie vorgesehenen Platz bei Gorleben (Kreis Lüchow-Dannenberg) zu räumen.

Image-Pflege: Herz soll Trumpf sein

Das Saarland, immer wiederkehrender Vorurteile überdrüssig, will sich ein neues Image schaffen, und seine Bewohner beteiligen sich mit Begeisterung daran, indem sie malen und photographieren.

Selbstverbrennung: Gründler? – Kenn’ ich nicht!

In der Mönckebergstraße glitzert die Weihnachtsreklame. Das Häuflein Menschen, das sich vor der Petrikirche eingefunden hat, um von Hartmut Gründler zu reden, der sich eine Woche zuvor aus Protest gegen den Bau von Atomkraftwerken an dieser Stelle selbst verbrannte, verschwindet in der Menge der Einkaufslustigen.

Emanzipation: Marienbilder mit Bärten

Kinder mit Vätern standen vor Bildern, auf denen Väter mit Kindern zu sehen sind. "Vater und Kind – in einer rollenzwangsfreien Gesellschaft" heißt die Ausstellung der GEDOK, die bis Anfang Januar in Berlin im Haus am Lützowplatz zu sehen ist.

Für Frauen tabu

Ein bayerisches Bildungsunikum feiert in diesem Monat sein 125jähriges Bestehen: die Stiftung "Maximilianeum". Nach dem Wunsch ihres Gründers, König Maximilian II.

Gewerkschaften ins Abseits?

Die Klage mancher Gewerkschaftsführer, die wirtschaftspolitische Diskussion in der Bundesrepublik trage die Züge einer Verschwörung gegen die gewerkschaftliche Tarifpolitik – sie ist zwar nicht begründet, aber doch verständlich.

Nicht jeder Millionär erwünscht

Die Monegassen sind nicht nur stolz auf ihr Fürstenpaar und deren schlagzeilenmachende Tochter Caroline, sie sind auch stolz auf ihre Sportler: den Südafrikaner Jody Scheckter, Sieger vieler Grand-Prix-Autorennen, den Argentinier Guillermo Vilas und den Schweden Björn Borg, zwei Tennisspieler der Weltklasse.

H.-H. Bremer zur Wirtschafts- und Währungsunion: Nichts für Drückeberger

Als der Präsident der EG-Kommission Roy Jenkins Mitte September seinen Kommissionskollegen die Idee vortrug, den Regierungschefs der Gemeinschaft auf ihrer Dezembertagung die rasche und unwiderrufliche Verwirklichung der Europäischen Währungsunion mit einheitlicher Währung und gemeinsamer Zentralbank als Mittel zur Überwindung der Krise vorzuschlagen, erntete er mehr Kritik als Beifall.

Bonner Kulisse

Daß sich der haushaltspolitische Spielraum des Finanzministers seit dem für die Bonner Regierungskoalition höchst deprimierenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 25.

Jes Rau aus New York: Atomare Posse

Präsident Carter legte vor einigen Wochen sein Veto gegen ein Gesetz ein, das den betroffenen Behörden die Ermächtigung gibt, 6,7 Milliarden Dollar für Energieforschung auszugeben.

Spanien: Ein Korb aus Untertürkheim

Im Frühling hing der kanarische Himmel voller Geigen. Der spanische Industrieminister nutzte einen Besuch auf den Inseln, um zu verkündigen: Daimler-Benz habe bei den spanischen Behörden einen formellen Antrag zur Errichtung eines Montagewerks gestellt.

Agrarmarkt: Brüsseler Butterkarussell

Dem Spürsinn eines niederländischen Geschäftsmannes ist es zu danken, daß ein vier Jahre alter skandalträchtiger Handel mit EG-Butter doch noch an die Öffentlichkeit kam.

Szenario für eine Katastrophe?

Das Wort Plutonium ruft heute bei den meisten Bürgern Vorstellungen von Bomben, einem Lungenkrebs erzeugenden Gift, Verseuchung für Jahrtausende und einer Bedrohung durch polizeistaatliche Ordnungssysteme hervor.

Zeitraffer

Bahnfahren wird in Zukunft ein "teureres Vergnügen". Vom 1. März nächsten Jahres an will die Bundesbahn ihre Preise um durchschnittlich 5,3 Prozent anheben.

Manager und Märkte

Kurt Fiebich, Wanderopponent in deutschen Hauptversammlungen, haute wieder einmal gekonnt auf die Pauke: Bei der einstigen Glöggler-Firma Augsburger Kammgarn-Spinnerei (AKS), die nur mit Hilfe des bayerischen Staats vorm Untergang gerettet wurde, regte er sich darüber auf, daß auf Grund eines Rechtsgutachtens allein das frühere Vorstandsmitglied Albert Henkel für 1975 nicht entlastet werden soll.

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