Während bei den deutschen Standardaktien auf der Stelle getreten wird und ihre Kurse eher zur Schwäche neigen, hält die Spekulation in den sogenannten Restquoten der ehemaligen deutschen Großbanken unvermindert an. Die Spitzenposition wird von den "Resten" der Dresdner Bank gehalten, deren Kurse in diesem Jahr von 1,45 auf 31 Mark gestiegen sind. Das entspricht einer Werterhöhung um mehr als 2100 Prozent.

Das Interesse an den Restquoten der alten Dresdner Bank überrascht um so mehr, als erst kürzlich auf deren Hauptversammlung von der Verwaltung deutlich gemacht worden ist, daß diese Papiere im Grunde nur die Ansprüche der Altbank auf ihre in der DDR und in den ehemaligen deutschen Ostgebieten liegenden Immobilien repräsentieren.

Altspekulant Krages scheint es anders zu sehen. Er ist im Besitz einer Schachtelbeteiligung an der alten Dresdner Bank und glaubt, die neue Dresdner Bank veranlassen zu können, ihren Anteil an der Altbank von 40 Prozent ihm zum Verrechnungskurs von 100 Mark zu überlassen. Kaum anzunehmen, daß die Dresdner Bank ihre Papiere aus der Hand geben wird. Denn hier geht es ja auch um den Namen "Dresdner Bank".

Was Krages mit der Altbank anzufangen gedenkt, ist nicht zu erraten. Bis seine Pläne nicht auf dem Tisch liegen, wird die Vermutung bleiben, daß mit den gegenwärtigen Spekulationen eine Art Lästigkeitswert erzeugt werden soll, der die aktiven Großbanken schließlich dazu bringt, die Restquoten ihrer Vorgänger zu einem von den Spekulationsgruppen diktierten Preis zu übernehmen. Bislang haben die Großbanken aber konsequent abgewinkt.

Gespannt wartet man jetzt auf die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung der Dresdner Bank, auf der sich dann zeigen wird, ob die Opposition bereits die Mehrheit hat und damit in der Lage ist, Aufsichtsrat und Vorstand nach eigenem Ermessen zu bilden.

K. W.