Die Klage von Josef Stingl, Präsident der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg, die Unternehmer würden bei der Neueinstellung von Mitarbeitern nicht genügend Kräfte vom Arbeitslosenmarkt berücksichtigen, überdies oft bessere Kräfte zu häufig schlechteren Bedingungen suchen, wird vom zuständigen Abteilungsleiter bei den Arbeitgebern in Köln, Rolf Weber, zurückgewiesen.

Weber, der auch im Vorstand der Bundesanstalt für Arbeit ist, meint, Josef Stingl solle doch erst einmal in seinem eigenen Unternehmen – 53 000 Beschäftigte – die Maßstäbe anlegen, die er von den Unternehmen fordere. Auch Stingl bevorzuge bei Neueinstellungen kaum Arbeitslose, die weniger qualifiziert seien. An die Bundespost gerichtet, meinte Weber, dort zeige sich sogar, daß die Post qualifizierte Mitarbeiter aus der Industrie abwerbe, statt auf Arbeitslose zurückzugreifen.

Dies zeige den Sächzwang aller Unternehmen, bei höherem Kostendruck in erster Linie auf qualifiziertes und voll leistungsfähiges Personal zurückgreifen zu müssen. Weber: "Die öffentliche Hand Soll uns erst einmal vormachen, wie man das besser machen soll." .

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Daß die Besetzung des durch den Mord an Hanns-Martin Schleyer verwaisten Doppelthrons von Bundesverband der Deutschen Industrie und Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDI und BdA) ein langwieriger Prozeß werden würde, scheint sich mehr und mehr zu bestätigen. Eingeweihte in den Verbänden rechnen damit, daß sich bis zum Frühjahr nicht viel tun werde.

Drei Lösungen kursieren derzeit an der Nachrichtenbörse, wovon eine weitgehend ausgeschlossen wird, nämlich die politische. Erwogen wurde zumindest, an die Spitze des Doppelpostens einen Politiker zu stellen. Genannt wird dabei Gerhard Stoltenberg, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Unsicher ist jedoch, ob. Stoltenberg überhaupt die Politik aufgeben würde, noch unsicherer ist, ob die Unternehmer ihn akzeptieren würden. Sie möchten wegen der kritischen Unternehmenslage in der Bundesrepublik einen Unternehmer an der Spitze der beiden Verbände sehen, aber auch jemanden, der das gestörte gute Verhältnis zu den Gewerkschaften wiederherstellen könnte. Es wird bezweifelt, ob Stoltenberg das könnte.

Lösung zwei, sie gilt als die wahrscheinlichste, wäre die Rückkehr zu einer Trennung der beiden Präsidentenämter, zumal zwei weitere bisher genannte Kandidaten – Otto Esser, BdA-Vizepräsident, und Rolf Rodenstock, BDI-Vizepräsident – bei aller Qualifikation nicht das politische Gewicht haben, das man sich an der Spitze des mächtigen Doppelpostens wünscht. Denkbar wäre, daß Rodenstock BDI-Präsident wird, Esser BdA-Präsident.