Von Wolfgang Stütze!

Professor Wolfgang Stützel lehrt Wirtschaftswissenschaft an der Universität Saarbrücken.

Es war einmal ein König, der hieß Winfried. In dessen Land gab es viele Straßen. Und diese Straßen hatten viele, viele Kurven. Und in diesem Land fuhren viele Leute mit ihren Autos herum. Und diese Autos waren lange Zeit hinweg recht mobil: Sie hatten ausgezeichnete Lenkungen, Servolenkungen sogar. Sie nahmen alle Biegungen, Ecken und Abzweige elegant und reibungslos.

Nun kam es aber, weiß der Himmel woher, daß in diesen Autos die Lenkungen verklemmt wurden. Die Servos klappten nicht mehr. Das Lenken wurde immer mühsamer. Und selbst wo die Beifahrer sich mit ans Werk machten, mitzubestimmen, also mit am Lenkrade zu hantieren, half das nicht viel. Die Karren waren immer schwerer in die Kurven zu kriegen.

Der Landesfürst sah die Misere. Und er tat, was man in derlei Fällen tut: Er bestellte hochhonorable, hochzuhonorierende Gutachter. Die besahen sich die Sache und kamen zu dem lichtvollen Ergebnis: Lieber König, was du da hast, sind ja wirklich recht arge Strukturprobleme. Schlimm, wie krumm diese Straßen da sind! Wieviel schreckliche Kurven es da gibt! Das können die Autos ja wirklich nicht mehr bewältigen. Du mußt gezielte Strukturhilfen geben!

Und so setzte der König seine besten Beamten daran, erst einmal ein Verzeichnis der dringendsten Strukturprobleme anzufertigen. Daraufhin wurde preußisch-zügig ein integrales Problem gezielter Strukturhilfen aufgestellt. In wohlorganisiertem Katastropheneinsatz dirigierte man auf Staatskosten Männer und Gerät hin zu den Stellen mit den jeweils größten Strukturproblemen.

An den einen Stellen hoben sie mit schweren Subventionsgeräten im Sumpfe steckende Wagen zurück auf die Straße. An anderen Stellen gaben sie helfende Steuer-Schubs an Wagen, die gerade von der Straße abzukommen drohten. Und wenn einzelne Wagen trotz all dieser Vorkehrungen Immer wieder von der Straße abkamen, dann schickte man zu diesen Wagen kurzerhand muskelstarke Männer von der staatlichen Direktlenkungs-Abteilung. Man verstaatlichte sie. Die Privatfahrer wurden schlicht vom Fahrersitz weggehoben und durch starke Bullen ersetzt. Aber gut wurde es im Land dennoch nicht. Im Gegenteil: Auch die Katastrophendienstleute brauchten ja ihrerseits Autos. Und für sie brauchte man ebenfalls, damit sie überhaupt einsatzfähig wurden, ihrerseits wieder Strukturproblem-Helfer. So mußten von allen Männern des Landes immer mehr in den Katastrophendienst. Und immer weniger blieben für wirklich nützliche Zwecke übrig. Und über all dem wurde König Winfrieds Land ärmer und ärmer.