Das Phänomen Strauß und die deutsche Politik

Von Rolf Zundel

Bonn, Ende November

Es war das übliche Schauspiel, inszeniert von oder für Franz Josef Strauß: gewaltiges politisches Getöse, grimmiger Streit – und dann die erstaunte, aber augenzwinkernde Frage: Ist was passiert?

Ein paar Tage lang beherrschte Strauß die Schlagzeilen – zunächst mit Erklärungen über den "inneren Frieden" unter der chilenischen Militärdiktatur, die wie eine Verhöhnung des amtierenden Oppositionsführers klangen. Immerhin hatte Kohl vor kurzem in einem offenen, aber nie offiziell veröffentlichten oder gar abgesandten Brief an Staatspräsident Pinochet beklagt, die Menschenrechtsverletzungen in Chile seien "ein schwerer Schlag für das internationale Ansehen einer Nation mit einer soliden demokratischen Vergangenheit".

Dann fesselte die Figur des CSU-Vorsitzenden die politische Phantasie, weil sein Statthalter in Bonn, Landesgruppenvorsitzender Zimmermann, kühl feststellte, Strauß sei "ein genauso potentieller Kanzlerkandidat wie Helmut Kohl" – gewiß keine ausgesuchte Freundlichkeit gegenüber dem 1976 gekürten Kanzlerkandidaten.

Schließlich aber kam die Ankündigung von Strauß, er werde sich 1978 um das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten bewerben. Also: Alle Probleme beseitigt?