Hervorragend

Rod Stewart: "Foot Loose & Fancy Free". Für die Aufnahmen dieses Albums haben die drei Gitarristen von Rod Stewarts neuer Live-Band offenbar jedes Keith Richard-Riff aus dem Lehrbuch lernen müssen, weil der Junge mit der Heuhaufenfrisur und der unnachahmlichen Raspel-Stimme für die Rock ’n’ Roll-Nummern ("Hot Legs", "You’e Insane" und "Born Loose") nun mal die besten seit "If You Can’t Rock Me" komponiert hatte. Stewarts Folk-Balladen sind in ihren autobiographischen Verschlüsselungen hier so verbindlich wie Paul Simons beste Lieder in diesem Genre. Und Soul-Songs interpretierte Rod Stewart schon immer so unverwechselbar persönlich und einfühlsam, daß sie neben den Originalen allemal bestehen konnten. Seit Randy Newmans "You Can Leave Your Hat On" Und "Lover’s Prayer" hat niemand die Potenz- und Männlichkeitsvorstellungen so hinreißend parodiert wie hier Rod Stewart mit "Hot Legs". Und wer außer Rod Stewart würde schließlich seine Herzallerliebste mit Celtic Glasgow und Manchester United vergleichen und allen Nicht-Engländern in beiliegender Broschüre erklären, es handle sich dabei "um zwei der größten Fußballteams der Welt"? Ein hinreißendes Rock-Album! (Warner Bros. WB 56 423)

Franz Schöler

Hörenswert

Munju: "High-Speed Kindergarten". Das ist eine einigermaßen überraschende Begegnung mit einer Gruppe aus der Provinz, die ganz unprovinziell ist. Die fünf begabten Musiker machen, grob rubriziert, einen von Rock und Soul angeregten Jazz. Sie haben einen genauen Klangsinn, spannen gemeinsam ein haltbares, federndes rhythmisches Netz, auf dem sie ihre solistischen Figuren sehr gewandt vollführen. Die Musik hat Schwung, sie wirkt leicht, sogar lustig, manchmal ironisch. Man hört es schon Titeln wie diesen an: "Kirschsuppe", "Fall oslip", "High-Speed-Kindergarten". Die Aufnahme klingt auffallend räumlich, (april II/00012; Munju, Leistenstraße 84, 87 Würzburg) Manfred Sack