Von Karl-Heinz Lindackers

Technik und Fortschritt sind zwei Begriffe, die nicht mehr so unbefangen in einem Atemzug genannt werden wie noch vor wenigen Jahren. Häufiger und umfassender wird heute über nachteilige und schädliche Folgen der Nutzung technischer Einrichtungen diskutiert – und zwar nicht nur von Fachleuten, sondern in zunehmender Zahl auch von interessierten und betroffenen Bürgern.

Dies gilt insbesondere für die Debatte über die Gefahren, die mit der Errichtung und dem Betrieb kerntechnischer Anlagen verbunden sind. Als Gefahrenquellen sind hierbei zu betrachten:

  • die Kernkraftwerke einschließlich der dort vorhandenen Lager für abgebrannte Brennelemente und radioaktive Abfälle,
  • die Wiederaufarbeitungsanlagen einschließlich der dort erforderlichen Zwischenlager für die hochaktiven Rückstände,
  • die Präparierung mittel- und hochaktiver Abfälle zur Endlagerung,
  • die Transporte abgebrannter Brennelemente und radioaktiver Abfälle,
  • die Endlagerung radioaktiver Abfälle.

Alle diese Gefahrenquellen sind technisch recht komplizierte Gebilde, die nicht nur dem Laien ein Urteil erschweren. Selbst fachkundige Naturwissenschaftler und Techniker haben sich auf Einzelaufgaben im Rahmen dieser Problemkreise spezialisiert. Ihre Fachsprache ist für Außenstehende oft unverständlich. In der Diskussion mit interessierten Laien über die Sicherheitsaspekte der vorhergenannten Gefahrenquellen sind daher Vereinfachungen unerläßlich. Um die Größe des Risikos deutlich zu machen, sind oft Vergleiche zu anderen bereits bekannten Gefahrenquellen und deren Auswirkungen notwendig. Vereinfachungen dürfen aber nicht so weit gehen, daß wichtige Aspekte des Diskussionsgegenstands außer Betracht bleiben. Bei Vergleichen muß sorgfältig geprüft werden, ob sie berechtigt sind.

Auch wenn von Risiko gesprochen wird, ist nicht sicher, daß Gegner und Befürworter darunter das gleiche verstehen. Rein sprachlich hat der Begriff "Risiko" die gleiche Bedeutung wie "Wagnis" oder "Gefahr". In der Wirtschaft schließt er sowohl die Möglichkeit des Verlustes als auch die Chance des Gewinnes ein, wird also nicht von vornherein als etwas absolut Negatives betrachtet. Will man nur die negativen Aspekte ansprechen, so sollte zur Vermeidung von Mißverständnissen der Begriff "Schadensrisiko" gewählt werden. Das Schadensrisiko wäre dann das Wagnis, daß nachteilige Wirkungen aller Art zwar eintreten können, aber nicht unbedingt eintreten müssen. Geprüft werden muß dann:

  • Welcher Art sind die nachteiligen Wirkungen im einzelnen? Oder kurz: Schadensart?
  • Welche Quantität haben die nachteiligen Wirkungen, wenn sie eintreten? Oder kurz: Schadenshöhe?
  • Mit welcher Häufigkeit könnten die nachteiligen Wirkungen eintreten? Oder kurz: Schadenshäufigkeit?
  • An wem oder an was treten die nachteiligen Wirkungen auf? Oder kurz: Schadensobjekt?
  • Was führt zum Eintreten der nachteiligen Wirkungen? Oder kurz: Schadensquelle?
  • Was ist das Wagnis?