"Um eine neue Dimension von Friedenspolitik" geht es nach den Worten Willy Brandts in der unabhängigen Nord-Süd-Kommission, die vom 9. bis 11. Dezember in Schloß Gymnich zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammentritt. Bundespräsident Scheel wird daran teilnehmen.

Ein knappes Jahr dauerten die schwierigen Vorbereitungen, seit Weltbank-Präsident McNamara das Projekt angeregt hatte. In spätestens zwei Jahren soll der Bericht der Kommission den Vereinten Nationen zugehen.

Was die Brandt-Kommission erreichen will und kann, ist nicht exakt vorherzusagen. Ihr Vorsitzender, auf den McNamara die Idee zugeschnitten hat, umreißt die Aufgaben vage damit, es sollten Wege zur Neuordnung der Beziehungen zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern aufgezeigt werden, "die größtmögliche Unterstützung erlangen können".

Die Berufung Willy Brandts an die Spitze der Kommission verfolgt zwei Ziele: Sie gilt einmal dem Mann, der in der Ost-West-Politik Erfahrungen darüber gesammelt hat, wie man "den Charakter von Konflikten friedlich verändern kann" und der das jetzt in eine Nord-Süd-Entspannungspolitik umgießen soll. Zum anderen genießt kaum ein zweiter ähnlich ungeschmälerte Reputation, eben auch in der Dritten Welt.

Die Geburtswehen der Kommission lieferten einen Vorgeschmack auf das, was ihr bevorsteht. Brandt hat jetzt ein Proporz-System gefunden, das die komplizierte Balance zwischen den unterschiedlichsten Interessen zu halten vorspricht. Von den derzeit 16 Mitgliedern vertreten neun die Entwicklungsländer, sieben die Industriestaaten; der unparteiische Vorsitzende kommt hinzu.

Zu überwinden war der Verdacht der Dritten Welt, die kapitalkräftigen Industriestaaten planten nur ein neues Hinhaltemanöver. Die "Gruppe der 77" in den UN kokettierte lange und freimütig mit einem Gegenvorschlag: Die Reichen möchten in dem Brandt-Club lieber unter sich ausmachen, was sie den Armen und Ärmsten zu bieten haben.

Jetzt sind immerhin nicht nur Schwellenländer, sondern auch least developed countries in dem Gremium vertreten, ein ausgewogenes Gemisch aus Politik und Wirtschaft, elder statesmen und jungen Hoffnungen, Einflußreichen und Einflußlosen, Ex-Regierungschefs und Präsidentenberatern.