ZEIT: Herr Ministerpräsident, welche Gründe bestimmen Sie zu der Annahme, daß Helmut Kohl auch 1980 wieder der Kanzlerkandidat der Union sein wird?

Vogel: Helmut Kohl hat vor gut einem Jahr als Kanzlerkandidat das zweitbeste Ergebnis erstritten, das die Union je hatte. Darauf fußt die ganz selbstverständliche Folgerung, daß der Kanzler Helmut Kohl heißen würde, wenn die Union jetzt den Regierungschef zu stellen hätte. Und von dem, der möglicherweise noch während dieser Legislaturperiode Kanzler wird, nehme ich auch an, daß er 1980 wieder Kanzlerkandidat sein könnte.

ZEIT: Wenn von einem führenden Vertreter der CSU gesagt wird, Strauß sei ebenfalls ein potentieller Kanzlerkandidat, läuft das nicht auf eine Schwächung der Position Helmut Kohls hinaus?

Vogel: Nein. Es ist zu unterscheiden zwischen der heutigen Situation und der generellen Frage. Nochmals: Ein Jahr nach der Bundestagswahl ist für mich klar, wenn wir den Kanzler zu stellen haben, heißt er Kohl. Ganz anders ist die generelle oder theoretische Frage zu betrachten, wer von uns die Fähigkeiten zu einer Kanzlerkandidatur hätte. Da steht für mich ebenso außer Frage: Ein Mann, der 30 Jahre lang mit dem Engagement, mit der Sachkenntnis und vielfältigen Bewährung in sehr vielen Ämtern in Deutschland Politik gemacht hat wie Franz Josef Strauß, der ist in einen solchen theoretischen Kreis einbezogen. Warum nicht?

ZEIT: Sie würden also die Äußerung von Friedrich Zimmermann unterschreiben, daß auch Strauß ein potentieller Kanzlerkandidat sei?

Vogel: Nein. Auch das ist eine Vereinfachung. Selbstverständlich besitzt auch Strauß die Fähigkeiten für eine Kanzlerkandidatur. Ich beteilige mich jedoch nicht an Überlegungen für 1980. Aber die Statur eines Kanzlerkandidaten hat Strauß sicher, haben im übrigen – wenn man es ganz allgemein und theoretisch erörtert – noch mehr Leute.

ZEIT: Gibt es zwischen Strauß und Kohl auch im politisch-programmatischen Bereich Unterschiede?