Kurz vor den Sommerferien billigten die französischen Parlamentarier einen Text, der im Lande der Planifikation überrascht: das Gesetz zur Kontrolle von Unternehmensfusionen und zur Bekämpfung wettbewerbsbeschränkender Praktiken. Bisher war industrielle Konzentration Trumpf. Müssen nun Frankreichs Unternehmer wie ihre deutschen Kollegen vor jedem bedeutenden Unternehmenskauf, vor jeder Erhöhung von Beteiligungen bei anderen Unternehmen erst bei einer mißtrauischen Behörde anklopfen?

So dick wird es wohl nicht kommen. Denn Wettbewerb ist nie ein entscheidender Faktor französischer Wirtschaftspolitik gewesen. Alle bisherigen Mehrjahrespläne schwiegen sich zu diesem Kapitel aus oder widmeten ihm allenfalls einen Nebensatz unter der Überschrift "Verbraucherschutz". Unter Nationalökonomen gehört es zum guten Ton, sich über den "chaotischen Charakter" des Wettbewerbs zu mokieren. Und wenn in der Öffentlichkeit über Probleme des Wettbewerbs diskutiert wurde, dann ging es meist um seine "Lauterkeit" im Handel, das heißt um den Schutz der kleinen Einzelhändler vor aggressiven Absatzmethoden der Supermärkte.

Allerdings kennt Frankreich schon seit 1953, als in der Bundesrepublik noch nach amerikanischem Muster gezimmertes Antitrust-Recht der Besatzungsmächte galt, eigene Vorschriften, die Kartellabsprachen zwischen Unternehmen verbieten. Doch über die Einhaltung des Verbots wacht – wie oft in Frankreich – lediglich eine Kommission mit beratender Funktion. Sie begutachtet für den Wirtschafts- und Finanzminister die Fälle, die dessen allmächtige Preisdirektion suspekt findet.

Die Preisdirektion indessen, vor allem mit dem Kontrollieren von Preisen beschäftigt, zeigt wenig Eifer bei der Überwachung von Wettbewerbsbeschränkungen. Auf Kartelluntersuchungen verwendet sie wenig Zeit. Im Ministerium am Quai Branly trifft man nur ein kleines Häuflein Beamter, die als Stallwache in Sachen Wettbewerb fungieren. Sie sprechen neidvoll vom administrativen Aufwand, den Länder wie die USA oder die Bundesrepublik für ihre Wettbewerbspolitik treiben.

Die Kommission selbst ist ein Klub ehrenamtlich tätiger Honoratioren, die entweder aus den "Grands Corps", den angesehensten Behörden des Landes, kommen oder Praktiker aus der Wirtschaft sind. Dabei ist oft nur schwer zu erkennen, welche fachliche Qualifikation sie zu Mitgliedern dieser Kommission prädestiniert.

Viel Notiz wurde im Lauf der Jahre vom Wirken der Kommission nicht genommen. Sie tat auch alles, um sich bei niemandem unbeliebt zu machen. Davon zeugt die Milde der ausgesprochenen Empfehlungen. Meist bleibt es bei sanften Ermahnungen an die Unternehmen. Nur wenn dem Staat direkt in die Tasche gegriffen wurde, wie bei Absprachen über öffentliche Ausschreibungen, wird strenges Einschreiten empfohlen.