Beachtlich

"Ob’s stürmt oder schneit" von Wolfgang Berndt und Doris Dörrie. Ein Film über die Tage der Provinz-Kinobesitzerin Maria Stadler aus Endorf im Fränkischen. Von sechs Uhr früh bis nach Mitternacht arbeitet sie nur für ihr Kino: radelt in Nachbarorte zum Plakatieren, holt Filmrollen vom Bahnhof, besorgt und hackt Holz für die Saalheizung, die wochentags nie mehr als zehn Besucher wärmt, restauriert alte Kopien, verkauft Eintrittskarten, ist Filmvorführerin und Reinemachefrau. Wider jede ökonomische Vernunft – vom Kauf des Kinos 1953 blieben bis heute 53 000 Mark Schulden – schuftet sie für dieses Kino, das dennoch nur mit der Rente ihres schwerbeschädigten früheren Filmvorführers erhalten werden kann. Das Portrait der Maria Stadler gibt Zeugnis über die Kino-Misere in der Provinz. Mit Akribie und ruhigen Einstellungen verfolgt ein extrem subjektives Kamera-Auge die täglichen Stationen dieser Frau, die mit Macht an ihrem Kino festhält. Ein Film nicht über eine Cinéastin, sondern über eine von ihrer Lebensidee überzeugten Frau, gemacht von überzeugten Cineasten.

Manuela Reichart

Langweilig

"Die wilden Mahlzeiten" von Francis Girod. Der Film ist Bestandteil einer auf das Pathos von Resistance-Filmen reagierenden, sich progressiv gebärdenden Entheroisierungs-Welle. So, als ob nichts gewesen wäre, gehen Michel Piccoli als kleiner Polizist und Gérard Depardieu als kleiner Gauner 1942 nach Deutschland, um dort als Fremdarbeiter ein sorgloses Leben zu führen. Damit sie aber doch Helden sind, sind sie Sex-Helden. Auch nach dem Krieg, wieder in Frankreich, schwimmen beide ganz oben. Der Streifenpolizist avanciert zum Kripo-Mann, der Gauner zum gesuchten Gentleman-Dieb. Aber Jäger und Gejagter arrangieren sich und verlassen am Ende, als Liebes- und Gaunertrio mit Sylvia Kristel, wieder gemeinsam das Land. Hier berührt sich der Film mit jener ebenfalls französischen Strömung utopisierend-fabulierender Pornographien, die – das Unbehagen an Politik ausbeutend – vorgeben zu sagen: hier und jetzt mußt Du Dein Leben ändern und genießen. Peter Nau

Ärgerlich

"Der Teufel auf Rädern" von Elliott Silverstein, der nicht nur den Satan, sondern auch zwei Filme von Steven Spielberg "beschwört": "Duell" und "Der weiße Hai". Der Hal ist hier zum schwarzen Killerauto geworden, das fahrerlos aus dem Nirgendwo auftaucht und die halbe Einwohnerschaft einer amerikanischen Kleinstadt mordet, ehe es vom Sheriff (James Brolin) zum Stillstand gebracht werden kann. Vielleicht wollte Silverstein ("Cat Ballou", "Der Mann, den sie Pferd nannten") in "The Car" das zivilisatorische Lieblingsspielzeug Auto als existenzbedrohendes Vehikel präsentieren. Doch Martin Scorseses gelber Todeswagen in der Anfangssequenz von "Taxi Driver" evoziert mehr metaphysischen Schrecken als diese lächerliche Limousine während ihrer gesamten Amokfahrt Helmut W. Banz