"Briefe an Sarah", von Wilhelm Schlote und Elisabeth Borchers; Insel Verlag Frankfurt, 32 S., 16,– DM.

Aus Amsterdam und Mailand, Zürich und aus London, aus Kopenhagen und Paris bekommt die kleine Sarah Briefe von ihrem Vater: zärtliche, ulkige, solche die vom Schnupfen erzählen und vom Mond, vom Schneemann und einer Reise im Fesselballon, vom Mäusekönig aus Wien und den Rollschuh laufenden Elefanten im Kopenhagener Zirkus. Spätestens seit Lewis Carrolls Briefen an kleine Mädchen ist der poetische Zauber solcher unprätentiösen Miniaturgeschichten für Kinder offenbar geworden: in dem skurril illustrierten Rätselbrief an die kleine Ina Watson, in den Hunderten bizarrer oder verschlüsselter, witziger und verehrender Botschaften an Florence und Agnes, Beatrice und Sallie, Lorina oder Gaynor. Carroll spielte artistisch mit Einfällen, streute beiläufig Geschichtchen ein, entzückende Lügen, Träume oder Rätsel. Elisabeth Borchers hat den Charme solcher-Erzählanlässe für eine Sammlung kleiner Reise-Episoden gewählt. Der Papa berichtet seiner Tochter aus großen Städten in kleinen Zeilen. Und Schlote hat in heiter leisen Bildern diese Illustrationsidee aufs Blatt gebracht. U. B.