Die Konjunktur für Opa- und Oma-Geschichten besteht nach wie vor, nicht erst seit Peter Häftlings preisgekröntem Kinderbuch "Oma" (1975). Das Buch von

Dieter Schubert: "Die eiserne Rose," III. von Bettina Anrich-Wöfel; Anrich Verlag, Neunkirchen-Modautal; 95 S., 9,80 DM

ist, obwohl auch in ihm eine Großvater-Enkel-Beziehung im Mittelpunkt steht, jedoch kaum vergleichbar mit den vielen Großelterngeschichten, die ich kenne. Der im Jahre 1929 geborene DDR-Erzähler machte. schon mit dem sensiblen Jugendbuch "Sabine. Eine Liebesgeschichte" (1972) auf sich aufmerksam. Auch die neue, 1976 im DDR-Kinderbuchverlag zuerst erschienene Geschichte ist voll leiser Schwermut und einer in der Jugendliteratur ungewöhnlichen poetischen Indirektheit geschrieben.

Der Icherzähler Albert verzichtet gern darauf, an einer Ferienreise seiner Eltern an den Plattensee teilzunehmen, um einmal wieder zu seinem Großvater zu können. Wilhelm Wellz war Fabrikarbeiter und betätigt sich nun als Dorfschmied, aber ganz ohne Arbeitsfanatismus, eigentlich, um nach lebenslanger aufreibender Fabrikarbeit einmal schaffen zu können, was er möchte und wozu er sich Zeit lassen kann.

Dies wird zu einem Schwerpunkt der Erzählung, das leidenschaftliche Bemühen um ein Werk, in dem sich jemand endlich einmal völlig wiederfindet; aber auch die Vergeblichkeit dieses Ringens: Der Alte vermag das Verlorene im Alter nicht mehr zurückzugewinnen. Auch Alberts, des Enkels Hilfe ist umsonst: Es entsteht immer nur "Murks". Der Traum von der Rose, symbolisch für seinen Traum von Erfüllung und Selbstverwirklichung, bleibt bloß Traum.

Der andere Schwerpunkt der Erzählung: die Großvater-Enkel-Beziehung: das geheime Einverständnis beider, auch wenn Albert des Großvaters unlösbaren Konflikt wohl nie ganz versteht; ihr gemeinsames Räuberleben; ihr Bootsfahren und Angeln und Geschichtererzählen; ihre Späße und Spiele. Eine mit ganz einfachen Mitteln arbeitende Erzählung, die dennoch beim Leser ein waches Gehör für Zwischentöne und Ungesagtes braucht. Mit Bettina Anrieh-Wölfel hat der Autor eine kongeniale Illustratorin gefunden: zarte, montageartige, anspielungsreiche Bleistiftzeichnungen von starker Intensität.

Malte Dahrendorf