Ich glaube, daß wir in der Tat während dieses Besuches einen großen Fortschritt erreicht haben. Das bezieht sich nicht nur auf die persönlich sehr freundschaftlichen Beziehungen zwischen Herrn Gierek und anderen führenden polnischen Politikern und mir... Es bezieht sich vor allen Dingen auch auf die Art und Weise, wie das breite polnische Publikum auf diesen mit großer Publizität sich vollziehenden deutschen Besuch reagiert hat – Tausende und Zehntausende von Menschen, die in offenkundig freundlicher Grundhaltung die Straßen gesäumt haben, auch gewinkt haben, die an bestimmten Orten, wie in Auschwitz, auch Tränen in den Augen hatten ...

Ich glaube nicht, daß es sehr klug wäre, wenn die Volksrepublik Polen und die Bundesrepublik Deutschland gemeinsame Initiativen in der Form gemeinsam einzubringender Papiere bei diesen Verhandlungen (über Truppenabbau und Rüstungsbegrenzung) in Wien ergreifen würden. Wir sind beide gebunden an Rücksichtnahmen auf unsere beiderseitigen Bündnispartner. Richtig ist aber, daß in Polen, daß in Warschau schon vor 20 Jahren in einer Tiefe über europäische Rüstungsbegrenzung nachgedacht worden ist wie damals nirgendwo in irgendeiner anderen europäischen Hauptstadt. Und richtig ist gewiß auch, daß wir in Bonn im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte, vor allem allerdings im Laufe der allerletzten zehn Jahre, fruchtbar nachgedacht haben darüber, wie denn eine gleichgewichtige Rüstungsbegrenzung in Europa zustande gebracht werden kann. Es gibt eine gewisse prominente Rolle sowohl der Polen als auch der Deutschen in den bisherigen analytischen Arbeiten über Rüstungsbegrenzung in Europa. Und ich bin eigentlich sicher, daß die engen Gesprächen, die hier in Warschau über solche Fragen zwischen polnischen und deutschen Politikern geführt worden sind ..., Früchte tragen werden für die Wiener Verhandlungen ...

Dies (das polnische Handelsbilanz-Defizit) ist eines der Probleme, die gelöst werden müssen, wenn es zu einer ausgeglichenen Handelsbilanz kommen soll. Aber es ist nicht das Wichtigste Denn in Wirklichkeit – das haben wir bei diesem Besuch sowohl in Oberschlesien als auch an der Ostseeküste erlebt – ist es ja so, daß in Polen in unerhörter Weise industriell investiert worden ist.

Ich denke, daß man zu normalen Beziehungen zwischen zwei Völkern, zwischen zwei Staaten Ehrlichkeit braucht, Ich glaube, daß man sich gegenseitig die Wahrheit sagen muß darüber, wie man die gemeinsame Geschichte bewertet. Und wenn man sich gegenseitig die Wahrheit sagt, wird man darauf stoßen, daß die Wahrheit des anderen in manchen Punkten anders klingt als die eigene Wahrheit. Und man wird darauf stoßen, daß man an seiner eigenen Wahrheit etwas hier oder da zu korrigieren hat...

Ich würde es für einen schweren Fehler halten, das zukünftige Verhältnis zwischen Polen und Deutschen ohne Rücksicht auf die bisherige Geschichte versuchen zu wollen. Im Gegenteil, ich halte es für dringend notwendig, daß man sich sowohl über die schlimmen Dinge, die zwischen Deutschen und Polen passiert sind, als auch über die 1000 Jahre engen kulturellen Austausches, gegenseitiger Befruchtungen sehr bewußt Rechenschaft ablegt."