Wie ein Rechtsanwalt aus München in Texas ein großes Ölfeld entdeckte

Von Jens Friedemann

Deutsche Ölkonzerne – auf der Suche nach eigenen Quellen traditionell vom Pech verfolgt – mußten jetzt einem unbekannten Außenseiter die Führung in der Rangliste erfolgreicher Ölsucher überlassen: dem 35jährigen Rechtsanwalt Helmut W. Röschinger aus München, Chef der Anlagegesellschaft Argenta GmbH. Zusammen mit seinem Bohrpartner "Bonanza-Petroleum" aus dem kanadischen Calgary stieß er auf "das wohl größte Ölfeld, das in den letzten 25 Jahren in Texas entdeckt wurde", wie das New Yorker Fachblatt "The Market Chronicle" schrieb.

Wenige Kilometer südlich einer verlassenen Fehlbohrung im texanischen Brazos-Gebiet entdeckten die Explorateure ein Ölfeld, dessen Dimensionen Fachleute wie der Hamburger Geologieprofessor Franz Hecht (zuvor in Texaco-Diensten) auf 80 bis 90 Millionen Tonnen schätzen. Mit einem solchen Erfolg hatte niemand gerechnet, selbst der jugendliche Jurist Röschinger nicht.

Daß ausgerechnet Anlageberater aus der Bundesrepublik im Ausland mehr Erfolg haben sollten als die erfahrenen Ölkonzerne, "erschien absurd", gibt Argenta-Chef Röschinger zu. Für seine ersten Ölabenteuer in Nordamerika kalkulierte er konsequenterweise den totalen Fehlschlag ein und investierte vorsorglich einen Teil der Kundengelder in amerikanische Kohleminen, die von der Hugo Stinnes AG und dem Eschweiler Bergwerks-Verein bewirtschaftet werden.

Seine Kunden, rund 5000 wohlhabende Ärzte, Anwälte und Kaufleute, deren Interesse an Ölgeschäften mit der großen Krise 1973 geweckt war, vertrauten dem Münchener Anwalt seither 300 Millionen Mark an. Jedoch gaben sie ihr Geld weniger in der Hoffnung, bei der Schatzsuche in Nordamerika fündig zu werden. Sie schielten vornehmlich auf die hohen Steuervorteile. Da sie die Kosten für Fehlbohrungen und Bodenuntersuchungen sofort von ihren sonstigen Einkommen und Aufwendungen für fündige Ölquellen über acht Jahre verteilt abschreiben dürfen – genauso wie die Professionellen der Ölindustrie – rechneten sie sich selbst bei nutzlos verbohrten Millionensummen noch Vorteile aus.

Wie auf einem Kartoffelacker ...