Von Erika Martens

In den nächsten Wochen steht uns rauher Wind ins Haus", schrieb Detlef Hensche, Vorstandsmitglied der IG Druck und Papier, vor einigen Wochen im gewerkschaftlichen Zentralorgan. Wind macht im Augenblick allerdings zunächst einmal die Gewerkschaft selbst, die seit Mitte November nicht mehr an die Friedenspflicht im Druckereigewerbe gebunden ist: Seit Ende vergangener Woche sind Warnstreiks als gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen sanktioniert, um die Forderungen nach einem Tarifvertrag über die neue Technik in Verlagen und Druckereien zu unterstreichen. Außerdem wurden die Mitglieder aufgefordert, von sofort an alle Überstunden zu verweigern.

Schon am Freitag letzter Woche legten – so die Gewerkschaft – jeweils mehr als hundert Beschäftigte der Rheinischen Post in Düsseldorf und des Generalanzeigers Wuppertal, der zur Westdeutschen Zeitung gehört, für etwa zwei Stunden die Arbeit nieder. Der Schaden hielt sich offenbar in Grenzen. Die Ausgaben waren zwar etwas dünner, doch die fehlenden Anzeigenseiten lassen sich – so war zu hören – nachholen.

Die Löhne allerdings sollen erst einmal nicht gezahlt werden; auch von der Gewerkschaft gibt es dafür keinen Ersatz. Bei der Frankfurter Rundschau beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben am Montag 250 Setzer an einem Warnstreik. In anderen Betrieben, zum Beispiel bei Gruner + Jahr in Hamburg, soll es keine Überstunden mehr geben.

Die Arbeitgeber, der "Bundesverband Druck" und die Zeitungs- und Zeitschriftenverleger geben sich einstweilen gelassen; von Nervosität, so sagen sie, könne nicht die Rede sein. Spektakuläres stehe bisher nicht zur Debatte. Zugleich hoffen sie, daß sich "die vernünftige Seite im Gewerkschaftslager" doch noch durchsetzt.

Noch ist das alles in der Tat nur ein Vorgeplänkel. Am 10. Dezember aber werden der erweiterte Vorstand und die zentrale Tarifkommission für die Druckindustrie über eine Ausweitung des Arbeitskampfes nachdenken. Ein zentral gelenkter, großflächiger Streik braucht nach der Satzung der IG Druck zwar immer noch das Votum der Arbeitnehmer in einer Urabstimmung; Schwerpunktmaßnahmen aber können, wie es der vergangene Gewerkschaftstag beschlossen hat, auch ohne Urabstimmung vom erweiterten Vorstand beschlossen werden.

Zunächst aber sollen Zahl und Ausmaß der Warnstreiks der Gewerkschaftsspitze signalisieren, welche Stimmung an der Basis herrscht. Sie abzuschätzen, ist zur Zeit sehr schwer.