Sympathisanten des Terrorismus dürfen nicht isoliert bleiben

Von Götz Harbsmeier

Fassungslosigkeit und Verständnislosigkeit, tief reichende Empörung und entschlossene Gegenwehr mit allen nur erdenklichen Mitteln des Rechtes und ein enormes Aufgebot an Sicherheitsvorkehrungen kennzeichnen die Terroristenszene auf der einen Seite. Aber es fehlt an überzeugend überlegenem Verstehen, an wirklicher geistiger, ethischer, humaner Bewältigung des Phänomens. Es dominieren Abscheu und gerechter Zorn gegen den Wahnsinn der Verbrecher.

Noch fehlt – ähnlich wie bei den KZ-Mördern nach dem Zweiten Weltkrieg – die Klarheit darüber, wie denn und woher denn diese neue Art des Verbrechens hat aufkommen und sich ausbreiten können. Welches sind die Faktoren, die erklären können, wie so etwas überhaupt möglich geworden ist? Dafür ist der ohnmächtige Zorn, der blindlings nach der sichersten Methode der Ausrottung mit Stumpf und Stil verlangt, kein Hilfsmittel – auch kein gutes Zeichen.

Die Aufregung ist verständlich, aber machtlos. Unserer Entrüstung enspricht auf eine noch nicht ergründete Weise der extrem moralischen Verzweiflung der Terroristen. Denn die moralische Verzweiflung, in der die Täter ihrerseits stecken, ist ganz unbestreitbar. Diese moralische Verzweiflung gilt den bestehenden Verhältnissen schlechthin. Man kann das auch getrost den Ekel an allem Bestehenden nennen, der eine ästhetische, emotionelle Reaktion ist. Und es ist charakteristisch für solche Abscheu, daß sie sich in moralischer Entrüstung und Zerstörungswut äußert. Auffallend ist, wie moralisch die Terroristen argumentieren und wie unansprechbar sie auf moralische Kritik an ihren Handlungen reagieren.

Genau das ist das Wesen aller Moral, die auf Ekel, also auf ästhetische Aversion (auf Idiosynkrasie) beruht. Sie sehen die Splitter im Auge der bestehenden Gesellschaft. Sie sind aber blind für die Balken in der eigenen, infernalischen Aktion und Organisation. Sie urteilen und handeln vernichtend und wähnen sich dabei im Besitz der besseren Moral.

Der Besitz der besseren Moral rechtfertigt für sie sämtliche Untaten als Akte der Selbstjustiz. Es sind die "Bullen" und die Gestalten der Herrschenden in der bestehenden Gesellschaft, die sie, die moralisch Verzweifelten und Entrüsteten zur Gewalt zwingen! Ohne diese Gewalt keine wirksame Revolution!