Nun werden wieder Wetten abgeschlossen. Wo wird der Dollar Ende dieses Jahres, wo wird er ein Jahr später stehen? Es gibt Bankiers, die ganz fest wissen, daß wir Ende 1978 für einen Dollar nur noch 1,80 Mark bezahlen werden. Seit dem Besuch des amerikanischen Finanzministers Blumenthal Anfang. November in Bonn, bei dem er das amerikanische Interesse an einem starken und stabilen Dollar in einer programmatischen Rede unterstrichen hat, ist der Kurs von 2,24 auf 2,21 Mark gefallen. An eine Umkehr glaubt gegenwärtig niemand.

Wer oft in die Vereinigten Staaten reisen muß, dort drüben oder anderswo gegen Dollar einkauft, wird mit Recht fragen, warum wir uns einen starken Dollar wünschen sollten. Aber die deutschen Exporteure sind da anderer Meinung. Sie registrieren voller Sorge, daß sie auf den Weltmärkten immer weniger erlösen. Da ist die Entscheidung schwer: Sollen sich die Deutschen für einen starken oder für einen schwachen Dollar einsetzen?

Für einen starken, daran gibt es keinen Zweifel. Der Dollar ist nicht irgendeine Währung, er ist die wichtigste Währung der Welt. Wenn er ständig von Mißtrauen umgeben ist, ändern sich nicht nur die Warenströme. Die ölexportierenden Länder würden die Lust verlieren, ihre Dollarüberschüsse in den USA anzulegen. Ein Abzug der Gelder würde das labile internationale Gleichgewicht stören. Am Ende würde ein dauernd abrutschender Dollar nicht ohne Einfluß auf den Ölpreis bleiben.

Leider ist ein starker Dollar nicht in Sicht. Hinter dem schlechten Kurs steht ein amerikanisches Rekorddefizit in der Leistungsbilanz, das vor allem wegen enormer Öleinkäufe und wegen hoher Einfuhren aus Japan zustande kommt. Sollte die Bundesbank nicht doch vielleicht massiver als bisher Dollar aufkaufen und sie damit künstlich stark machen?

Das wäre grundfalsch. Käufe, die über die Beruhigung kurzfristiger Störungen hinausgehen, sind unerlaubte Manipulationen. Außerdem würden massive Dollarkäufe die inländische Geldmenge bedenklich aufblähen. Es geht dabei um Kapitalströme wie in den Zeiten fester Wechselkurse. Seit Anfang dieses Jahres sind von den entwickelten europäischen Ländern 30 Milliarden Dollar aufgenommen worden. Mehr als die Hälfte davon nahm Großbritannien auf, fünf Milliarden die Italiener. Die Bundesbank hat mit rund zwei Milliarden Dollar vergleichsweise wenig aufgenommen. Wollte sie aber den Dollarkurs allein hochhalten, müßte sie zweistellige Dollarsummen aufnehmen. Das verbietet sich von selbst – ganz abgesehen davon, daß auch die Bundesbank auf die Dauer nicht gegen Marktkräfte ankämpfen kann.

Für einen starken Dollar können nur die USA selbst sorgen. Die Regierung müßte ein wirksames Energieprogramm verabschieden und die Antiinflationspolitik, die Präsident Ford eingeleitet hat, fortsetzen. Das Energieprogramm ist jedoch im Kongreß hängengeblieben. Zweifel an der Entschlossenheit, die Inflation zu bekämpfen, werden vor allem deshalb wach, weil es so aussieht, als ließe Carter den "Leibwächter des Dollars", den Vorsitzenden des Zentralbanksystems, Arthur Burns, Ende Januar gehen. Alle Nachfolger, die gegenwärtig gehandelt werden, gelten als "liberale" Geldpolitiker. Richten wir uns also für das nächste Jahr auf einen schwachen Dollar ein.

Rudolf Herlt