Keine Führerscheinpflicht – Schulen sollen das Fahren auf Zweirädern einüben

Von Klaus Viedebantt

Nun guck an, wie dieser leichtsinnige Vogel durch den Verkehr kurvt", knurrt der Autofahrer, auf einen Mofa-Fahrer vor seiner Kühlerhaube weisend. "Und einen Helm trägt er auch nicht." Sein vierzehnjähriger Sohn, mofasüchtig wie die meisten seiner Altersgenossen, berichtigt den Vater: Für den Fahrer der kleinen Krafträder ist kein Helm vorgeschrieben.

Das soll nach den Vorstellungen des Bundesverkehrsministers trotz gegenteiliger Expertenauffassung auch so bleiben. Den Jugendlichen soll es somit zwar nicht an den Kopf, aber immerhin doch gelinde an den Kragen gehen. Die Verkehrsbehörden wollen auch für das Fahren der führerscheinfreien Mofas eine verstärkte Schulung einführen. Pate dieses Plans sind die hohen Unfallziffern in dieser Verkehrsgruppe.

Die Bundesanstalt für Straßenwesen in Köln hat die Unfallhäufigkeit unter den schätzungsweise 1,6 Millionen Fahrern dieser "Fahrräder mit Hilfsmotor" untersucht. Die Zahlen sind bestürzend Seit 1970 wuchs mit der steigenden Zweiradbegeisterung die Zahl der tödlich verunglückten Mofa-Fahrer um 214 Prozent, die der schwerverletzten um 363 Prozent. Allein im vergangenen Jahr wurden über fünfhundert Mofa-Piloten getötet und mehr als achttausend schwer verletzt.

Die Minikrads gelten offiziell als leicht motorisierte Fahrräder, die im Gegensatz zu den 40 Kilometer schnellen Mopeds und Mokicks nur eine Spitzengeschwindigkeit von 25 Kilometer pro Stunde erreichen dürfen. Ein trainierter Radfahrer kann dieses Tempo auch erzielen. Für Moped und Mokick ist der Führerschein 5 als Fahrtauglichkeitsnachweis erforderlich. Für Mofas bedarf es dessen bislang nicht. Das Mindestalter für Motorradfahrer beträgt 18 Jahre, Mopeds und Mokicks dürfen schon ab 16 Jahren gefahren werden, für Mofa-Fahrer wurde die Altersgrenze 1965 auf 15 Jahre herabgesetzt.

Bei dieser Altersgrenze soll es auch künftig bleiben. Daß sich die Zweiradindustrie, für die der Mofa-Boom ein warmer Regen ist, gegen eine Führerscheinpflicht ausspricht, hat naheliegende, aber nicht unbedingt anerkennenswerte Gründe.