Die Amerikaner wollen die japanische Exportkraft brechen

Von Jes Rau

Der 21. November geht möglicherweise in die japanische Geschichtsschreibung der Nachkriegszeit als der Tag des "Carter-Schocks" ein – so, wie der 15. Juli 1971 den "Nixon-Schock" markiert.

Damals verkündete Präsident Richard Nixon seine neue Chinapolitik, ohne zuvor die japanische Regierung konsultiert zu haben; und einen Monat später überraschte er die Japaner – und das gesamte Ausland – mit der Aufhebung der Dollar-Konvertierbarkeit in Gold und mit der Verhängung eines zusätzlichen Einfuhrzolls von zehn Prozent.

"Der Nixon-Schock weckte im Bewußtsein der Japaner den vagen Gedanken, daß die seit Kriegsende enge Kooperation mit den USA in der Zukunft abgelöst werden könnte durch eine grundlegende Rivalität. Die Zeit war gekommen, um Japans Position in der Welt zu überdenken", schreibt der frühere Botschafter Amerikas in Japan, Edwin O. Reischauer in seinem eben erschienenen Buch "The Japanese" (Die Japaner).

Mindestens ebensoviel Anlaß zum Nachdenken gaben den Japanern die Ereignisse dieses 21. November, an dem ihr Ministerpräsident Takeo Fukuda eine amerikanische Regierungsdelegation empfing unter der Leitung von Richard Rivers, einem Mitarbeiter des US-Handelsbeauftragten Robert S. Strauss, Rivers gab Fukuda den dringenden "Ratschlag", innerhalb von drei Wochen öffentlich bekanntzugeben, daß Japan seine Handelsbilanzüberschüsse drastisch zu senken gedenkt, daß es bei der Förderung der Exporte Zurückhaltung üben und eine Liste kurz- und langfristiger Maßnahmen zur Veränderung der japanischen Außenhandelsstruktur vorlegen wird.

Offiziell verneinen zwar amerikanische Regierungssprecher, daß Rivers die "Ratschläge" mit Drohungen verbunden habe. Aber von japanischen Diplomaten in den USA war zu erfahren, daß Rivers von der Möglichkeit sprach, die USA müßten im Notfall Importquoten einführen.