Mensch, war das schön, möchte man beipflichten: wenn alle Kinder solche Möglichkeiten, aber auch Fähigkeiten hätten, sich mitzuteilen, wie es der Autor mit Christa und Werner vorführt, vielleicht einübt in

Achim Bröger: "Mensch, war das schön!" Thienemanns Verlag, Stuttgart; 126 S., 12,80 DM.

Zweifellos steckt hinter diesem mit einer sehr wachen Einfühlung geschriebenen Kinderbuch, das bedrückende Alltagserfahrungen benennt und zugleich exemplarisch überwindet, eine starke pädagogische Absicht. Während die beiden Ich-Erzähler-Kinder abwechselnd zu Wort kommen und ihre alltäglichen Freuden und Schwierigkeiten einander mitteilen und darüber beratschlagen, erfährt der Leser viel vom Wert eines Partners und von den kleinen Wundern, die von solidarischem Handeln ausgehen können. So zeichnet sich das Buch, das schon im Titel wie ein freundschaftlich aufmunternder Rippenstoß daherkommt, vielleicht am meisten durch seinen Optimismus aus, einen fairen Optimismus, der die Alltagsrealität nicht leugnet. Weder Christa noch Werner verschweigen den Kummer und die Mißverständnisse, die sie mit den Eltern, den Geschwistern oder in der Schule erleben. Wenn man miteinander redet, werden die schwierigen Dinge erträglicher, und die schönen, die lustigen, doppelt schön. Auch die Bereitschaft, sich einmal den Eltern ganz offen mitzuteilen, wächst, und ein wenig wächst überhaupt das Verständnis für die andere Seite, die Erwachsenen, die daheim und die in der Schule.

Weitaus komplizierter und vertrackter ist der Weg zu einem halbwegs friedlichen Miteiander unter Kindern und Lehrern in

Genevieve Gray: "Der Supertrick"; Schaffstein Verlag, Dortmund; 100 S., 13,80 DM.

In diesem harten Buch, das man besser erst Kindern ab elf, zwölf Jahren in die Hand geben sollte, werden die Verhältnisse an einer amerikanischen Schule geschildert. Der mitmenschliche Umgang, die heimlichen Spielregeln sowohl der Schüler untereinander, als auch der Lehrer mit den Schülern, sind von Gleichgültigkeit, Rücksichtslosigkeit bis hin zur schweren Brutalität beherrscht. Wie aussichtslos es ist, sich hier mit fairen, legitimen Mitteln durchzusetzen und vor allem zu verteidigen, muß der kleine, schwächliche Varnell erleben, als er von der Grundschule, in der er als hochbegabt eingestuft war, in eben diese Schule kommt.

Die Autorin Genevieve Gray, pädagogisch und psychologisch vorgebildet, hat die traurige Karriere des kleinen, von jugendlichen Erpressern heimgesuchten Varnell, der zuletzt in der Sonderklasse für Schwererziehbare landet, vielleicht etwas zu sehr ausgewalzt, im übrigen aber wirken die Beschreibungen glaubhaft. Eine Miss Cota startet es mit Varnell und vier anderen "schwererziehbaren" Kindern. Es hat zum Ziel, Einstellungsänderungen sowohl bei den Lehrern als auch bei den Schülern zu bewirken. Die Beschreibung des geheimen Projekts – mit Gesprächstechnik, Gruppenpsychologie, Selbstbeobachtung per Monitor, Kurven und Tabellen –, bildet den Schwerpunkt im zweiten Teil des Buches. Zwar wird darüber die Handlung nicht vergessen, und es gibt auch eine Menge Agitation. Doch bleiben Zweifel: einmal an der Glaubhaftigkeit des "Supertricks" und zum anderen an: der Bereitschaft der Leser, in die Psychodetails einzusteigen. Ursula Genazino