Junge Leute diskutieren über die antideutsche Stimmung im Ausland

Den Deutschen täte es, sei es in ihrem Heimatland oder als Besucher fremder Staaten, gewiß gut, nicht bei allen Handlungen mit übertriebener Ängstlichkeit auf das Bild zu schauen, das sie in den Augen "der anderen" vielleicht abgeben könnten. Wir haben – und dies ist ein Teil der Tragik deutscher Geschichte – eine fast krankhafte Angst vor dem Urteil des Auslandes, die es erschwert, uns selbstsicher und unverkrampft in die europäische Völkerfamilie einzuordnen. Unser Staat, unsere Demokratie sind keineswegs so schlecht, daß wir es nötig hätten, gesenkten Hauptes vor dem Tribunal des Auslandes zu stehen. Die Qualität unseres freiheitlichen Systems findet, den antideutschen Ausbrüchen gewisser Kreise der Auslandspresse zum Trotz, auch jenseits der Grenzen Anerkennung. Dies sollte uns allerdings keineswegs zu Überheblichkeit und Besserwisserei verleiten. Fehler und Schwächen haben auch wir, und wir wollen sie eingestehen und offenlegen.

Andreas Fleischfresser, 18 Jahre

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Anschläge auf deutsche Touristen in Italien und Mißtrauen gegenüber Deutschland in vielen Nachbarstaaten – all das verursacht bei vielen Deutschen die resignierende Reaktion: "Wir sind überall verhaßt!" Doch gerade in dieser Situation sollten wir der ganzen Welt beweisen: Wir versuchen, unsere unrühmliche Vergangenheit zu bewältigen, wir wollen eure Freunde sein! Denn sonst würden alle Völker unweigerlich in einen Nationalismus gedrängt, gegenseitiger Haß würde provoziert, und auf die Dauer wäre wohl ein Dritter Weltkrieg nicht zu verhindern. Statt dessen sollten gerade junge Menschen Freundschaften mit Leuten anderer Nationen knüpfen und so einer Eskalation des Hasses und der Gewalt entgegenwirken. Claudia Weitmann, 16 Jahre

Man kann natürlich auf dem Standpunkt beharren, es sei egal, welche Meinung das Ausland über uns Deutsche habe. Aber ich bin nicht gewillt, mir, als Schüler der europäischen Schule in Brüssel – wie es vor ein paar Tagen geschah – von einem niederländischen Mitschüler sagen zu lassen: "Die Deutschen sind doch Schweine, daß sie Baader und seine Komplizen getötet haben!" – Wie aber kann man solcher falschen Meinungsbildung beikommen? Indem die für einen derartigen Skandal wie Stammheim politisch Verantwortlichen, in diesem Fall Filbinger & Co., eine der einfachsten demokratischen Spielregeln berücksichtigen: Zurücktreten!

Harald Rogalla, 18 Jahre