Von Günter Deister

Selbst der Kauf von ein Paar Schuhen für einen Hausmeister in Höhe von 40 Mark sei vom Bundesrechnungshof beanstandet worden. Hinterher habe sich dann herausgestellt, daß der gute Mann, der zugleich als Gärtner tätig ist, Anspruch auf ein Paar Schuhe für 60 Mark hat. Sportbund-Präsident Willi Weyer wird wütend, wenn er über besonders krasse Fälle von behördlicher Einflußnahme spricht.

27 Jahre lang marschierte der Deutsche Sportbund (DSB) brav an den goldenen Zügeln des Staates, verlor dabei zusehends an Orientierung und Eigeninitiative und hielt sich die Ohren zu, wenn der Amtsschimmel wieherte. Diesen Trott nun will Willi Weyer nicht mehr mitmachen. Und so kommt es denn, daß der 1. Januar 1978 zu einem wichtigen Datum für den DSB wird. Von diesem Tag an hört die größte Personenvereinigung der Bundesrepublik nach eigenem Verständnis auf, eine Außenstelle des Bundesinnenministeriums zu sein.

In Frankfurt wird der DSB-Hauptausschuß nun die Absicht bekunden, auf die institutionelle Förderung des Bundes zu verzichten. Endgültig beschließen allerdings kann erst der DSB-Bundestag Ende Mai nächsten Jahres in München. Dann auch wird sich Willi Weyer für vier weitere Jahre zum DSB-Präsidenten wählen lassen.

Dies war noch vor zwei Monaten höchst zweifelhaft gewesen. Als ein verdrossener DSB-Präsident die Sportspitzen Ende September in einem Zeitungsinterview mit der ultimativen Forderung aufschreckte, er werde nur dann wieder kandidieren, wenn eine größere finanzielle Unabhängigkeit vom Staat durch die Schaffung eines Selbsthilfe-Fonds erreicht werde, da schien das Ende der Ära Weyer nahe. Selbst Freunde vermuteten, der 60jährige suche eine Gelegenheit zum Absprung und habe die Hindernisse deshalb so hoch vor sich aufgetürmt.

Mehr Last als Lust

Doch die Sportkameraden verschätzten sich. Zwar stimmt: Drei Jahre Präsidentschaft sind dem ehemaligen Innenminister von Nordrhein-Westfalen mehr Last als Lust gewesen. Und wenn der Kleinmut der Funktionäre wieder einmal groß und die Querelen im "Haus des Sports", der Frankfurter Verwaltungszentrale des DSB, allzu quälend waren, dann sprach der DSB-Präsident schon mal vom Rücktritt. Andererseits fühlte sich Willi Weyer trotz mancher gesundheitlicher Probleme zu jung fürs Altenteil, und so krempelte er die Ärmel hoch und kämpfte.