Es sind auf den Tag 25 Jahre her, seit ich mich erstmals gebührend gerührt gedruckt im Feuilleton der ZEIT fand – und genau 15 Jahre, seit mich die Redaktion nach vorn in die Politik verpflanzte und daraus eine wöchentliche Kolumne wurde – wohl von dem Gedanken geleitet, die Politik sei eine zu ernste Sache, um sie ganz den Politikern zu überlassen.

Also Zeit zu danken – der ZEIT und meinen lieben Lieferanten, den Politikern, die dafür sorgten, daß mir die Themen nie ausgingen.

Am Anfang stand natürlich unser Adenauer. Als ihn mein Vater während des Dritten Reiches einmal auf einem Berliner S-Bahnhof traf und seinen ehemaligen Kölner Dienstherrn (beide von den Nazis verjagt) ansprach, meinte Adenauer, nachdem die beiden sich vorsichtig "beschnüffelt" hatten: "Wissen Se, Herr Ebert, wat mir am meisten Sorjen macht, dat is de Justiz."

Zwanzig Jahre später lieferte er mir, inzwischen Kanzler, die Spiegel- Affäre; dann seinen Plan, einen eigenen Fernsehsender zu bekommen, den die Justiz vereitelte; er bot mir auch seinen Verzicht auf das höchste Staatsamt: aber am ertragreichsten war doch sein vergebicher Kampf. Schaden, nämlich Erhard als Kanzler, vom deutschen Volk abzuwenden. ja, ja, die Lage war noch nie so ernst, aber für Satiriker eine richtige Goldgrube.

Der gutgläubige dünnhäutige Dicke mit seiner "Seelenmassage" war geradezu ein Glücksfall für mich, mit Tränen in den Augen gedenken manche seiner "Pinscher" Erhards noch heute.

Aber die so hilfreiche CDU bot mir auch noch den Staatsschauspieler Kiesinger, genannt "Silberzunge", dessen emsiges Wirken für die Satire leider zu kurz war – und dann drohte uns der Ruin! Die heißersehnte sozial-liberale Koalition kam über Nacht zur Macht – und mir verschlug’s vor Schreck die Sprache. Was nun? Die neuen Leute piken, die so guten Willens waren? Ein schreckliches Dilemma – bis ich beruhigt feststellen mußte, daß die neuen Leute auch nur mit Wasser kochten und es allmählich wieder abwärts ging, für die Satire also wieder aufwärts.

In der tristen Zwischenzeit hielt mich die Union über Wasser, indem sie mir einen Barzel schenkte. Bis er allerdings nicht mehr "durchblickte" und dem "schwarzen Riesen" aus Mainz Platz machen mußte, den mir die CDU, bitte. noch langte erhalten möge!