Daß dem europäischen Schiffbau schwere Zeiten bevorstehen, ist nicht neu. Doch so schwarz wie jetzt die EG-Kommission hat wohl noch keiner die Zukunft der Branche ausgemalt. In den kommenden fünf Jahren, so besagt das Brüsseler Dokument, müßten die europäischen Werften ihre Produktionskapazität um nicht weniger als 45 Prozent abbauen. Das würde 75 000 der jetzt noch 160 000 Beschäftigten brotlos machen. Der Grund: Bereits Anfang der achtziger Jahre werden sich die Reeder-Bestellungen von jetzt jährlich 4,4 Millionen Brutto-Registertonnen fast halbieren.

Mit großen Problemen kämpft auch die Fischwirtschaft, die nach dem Auslaufen des Fischereivertrages mit Island am Montag dieser Woche ihre Hauptfanggründe verloren hat. Auf Grund eines zweiseitigen Abkommens war der deutschen Hochsee-Fischerei zwei Jahre lang das Fischen in der isländischen 200-Seemeilen-Zone erlaubt gewesen; etwa zwei Drittel der Frischfisch-Anlandungen deutscher Trawler kamen bisher aus den Gewässern der Inselrepublik. Ein neuer Vertrag, den die in dieser Frage zerstrittene Europäische Gemeinschaft in Brüssel aushandeln müßte, ist noch nicht in Sicht. Außerdem besteht immer noch ein Heringsfangverbot in der Nordsee.

Bonn, das sich jetzt Forderungen der Fischwirtschaft nach Umstellungshilfen und Abwrackprämien gegenübersieht, drängt zwar seit längerem auf Brüsseler Beschlüsse zur Fangquotenverteilung in den EG-Gewässern. Verhandlungen darüber sind aber nicht möglich, weil sich die Gemeinschaft noch nicht einmal über eine Fischereiordnung einigen konnte. Grund: Großbritannien verlangt eine eigene 50-Meilen-Zone innerhalb des EG-Meeres. Anfang nächster Woche wollen die Agrarminister der EG einen neuen Anlauf zur Lösung des Problems versuchen. üth