Krankenbesuch für Genscher

Den festen Vorsatz hat der erkrankte Hans-Dietrich Genscher gefaßt, bis Mitte Januar nicht zu arbeiten, keine Akten zu lesen, ganz zu entspannen. Die Frage ist nur, ob einer mit soviel notorischer Umtriebigkeit wie er – der am liebsten die Geschäfte der FDP und des Auswärtigen Amts wie ein Einmannunternehmen betreibt – sich so weit zu zügeln vermag. Vorläufig wird Genscher wegen einer verschleppten Grippe und akuter Kreislaufschwäche im Krankenbett und unter Verschluß im Bonner Malteserkrankenhaus gehalten. Nur sein Ministerialdirektor Klaus Kinkel hält die Verbindung zur Amtswelt aufrecht. Eine Ausnahme hat es allerdings schon gegeben: Moshe Dayan besuchte seinen Bonner Kollegen am Krankenbett. Dayans Mitbringsel für den Patienten, außer Informationen über den israelisch-ägyptischen Dialog aus erster Hand: ein Band seiner Memoiren, nicht gerade eine entspannende oder einschläfernde Lektüre.

Historischer Kompromiß polnisch

Zum erstenmal seit dreißig Jahren erschien Polens Kardinalprimas Wyszynski auf einem Staatsempfang seines Landes: in Rom als Gast des Italien und den Papst besuchenden Parteichefs Gierek. Trotz eines zwei Tage vorher erlittenen schweren Rückfalls seines Gallenleidens saß der Kardinal mit Gierek am Dienstag abend über eine Stunde plaudernd im Festsaal des Grand-Hotels in einer einzigartigen Tischrunde: zwischen Frau Gierek und KPI-Chef Berlinguer, flankiert von den Christdemokraten Andreotti, Fanfani, Moro und dem päpstlichen Außenminister Casaroli. Dazu Aldo Moro: "So etwas bringen nur Polen fertig." Und Wyszynski mit patriotischem Ernst: "Die Lage ist schwierig."

Sadats Versprecher

Gleich zweimal rutschte der ägyptische Präsident Anwar el-Sadat bei dem Versuch aus, der Öffentlichkeit seine neue Nahostpolitik zu erklären. In einem Interview des amerikanischen Fernsehens benutzte er das Wort "Attentat" (assassination) statt "Rücktritt" (resignation) für den Fall des Scheiterns seines Programms. Und vor der Kairoer Nationalversammlung sprach er von der "Israelischen Befreiungsorganisation" an Stelle der Palästinensischen Befreiungsorganisation, die er in dieser Ansprache überhaupt nur einmal erwähnte – und dann auch noch falsch.

Teure Tönung