Hans Apel, der Bundesfinanzminister, hat sicher recht; Mit Geld allein läßt sich Europa nicht zusammenbringen. Und wenn alle Pläne, mit denen das angeschlagene Schiff Europa wieder flott gemacht werden soll, auf höhere finanzielle Beiträge aus der Bonner Kasse hinauslaufen, dann muß der für die Kasse Verantwortliche auf der Hut sein. Aber er muß sich entgegenhalten lassen: Ohne Geld wird Europa auch nicht vorankommen. Weil das so ist, wird der deutschen Bundesregierung, die in jedem Fall als stärkste Wirtschaftsmacht Europas den Löwenanteil zahlen muß, ein hohes Maß an Geschick abverlangt.

Auf dem letzten Gipfeltreffen der europäischen Regierungschefs wurde wieder deutlich, welch überragende Rolle das Geld in der Vorstellungswelt des europäischen Rates spielt. Nichts wurde beraten, was der Gemeinschaft politisch die Richtung weisen konnte. In Brüssel mußten sich die Regierungschefs vielmehr mit solch technischen Fragen wie der europäischen Rechnungseinheit beschäftigen. Hinter diesem abschreckenden Begriff steckt freilich ein ganzes Bündel dorniger politischer Fragen,

Die Regierungschefs fanden zwar eine Lösung, mit der der Streitpunkt des britischen Beitrags zum Haushalt der Gemeinschaft aus dem Wege geräumt wurde. Der Kompromiß ist aber typisch für eine Gemeinschaft, bei der die Europabegeisterung ihrer Mitglieder gegenwärtig an den Summen zu messen ist, die sie Brüssel zur Verfügung stellen möchten. Gerade der Streit um den britischen Finanzierungsanteil ist ein klassisches Beispiel dafür.

Der Vertrag über den Beitritt Großbritanniens zur Gemeinschaft sieht vor, daß die Inselmonarchie in den Jahren 1973 bis 1977 stufenweise in die Beitragsregelung für den Gemeinschaftshaushalt hineinwächst, die auch für die alten Mitgliedstaaten gilt. Allerdings sieht der Beitrittsvertrag für die Jahre 1978 und 1979 noch einmal eine Milderungsklausel für den Fall vor, daß das Umschalten zu einem sprunghaften Ansteigen des britischen Finanzierungsanteils führt.

Weil es nun noch keine einheitliche Europa-Währung gibt, werden nach der gegenwärtigen Haushaltsregelung die Finanzierungsanteile für die Mitgliedstaaten in Rechnungseinheiten berechnet und in der jeweiligen Landeswährung geleistet. Für 1977 galten als Rechnungseinheiten noch die alten Währungsfonds-Paritäten aus der Zeit fester Wechselkurse Anfang der siebziger Jahre.

Diese überholte Rechnungseinheit – für die Bundesrepublik war sie 3,66 Mark wert, für die Briten 0,4 Pfund soll nach dem Vorschlag der Kommission für den Gemeinschaftshaushalt 1978 zum erstenmal durch einen wirklichkeitsnäheren Wert ersetzt werden, Der hat den Vorzug, daß er schon in anderen Bereichen der Gemeinschaftsfinanzen wie in der Entwicklungshilfe, in der europäischen Investitionsbank und in der Kohle- und Stahlgemeinschaft angewendet wird. Nur in der Agrarpolitik wird an den überholten, allerdings leicht modifizierten Rechnungseinheiten festgehalten.

Für den Haushalt also soll jetzt die neue Rechnungseinheit gelten – für uns 2,60 Mark, für die Briten 0,6 Pfund. Das hat Konsequenzen für Briten und Deutsche. Nach der alten Rechnung nämlich haben die Briten in Pfund Sterling relativ weniger zum Haushalt der Gemeinschaft beigetragen, die Deutschen mehr. Das oberste Verhandlungsziel der Deutschen war deshalb eben die Einführung der wirklichkeitsnahen europäischen Rechnungseinheit.