Zum ersten regulären Heft ist auch schon ein Sonderheft erschienen: „Die alte Technik in Bilddokumenten aus Druckwerken der Bibliothek des Deutschen Museums.“ Es enthält Holzschnitte und Kupferstiche vom Ausgang des 15. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts, Bilder, die sonst, von ein paar Experten abgesehen, kaum jemand zu sehen bekommt. Der interessierte Laie ist begeistert. Der professionelle Journalist mag einiges in den Texten der Zeitschrift als noch amateurhaft empfinden und möchte manches eben besser geschrieben haben; am Gewicht dieses publizistischen Unternehmens aber kann er ebenfalls keinen Zweifel lassen.

Die Museen, hört man allenthalben, befinden sich in einer Misere; als Institutionen einer bildungsbürgerlichen Ära würden sie hinter dem modernen Leben herhinken. In der Tat jedoch hat zum Beispiel das Deutsche Museum einen Anstieg der Besucherzahl von hundert Prozent in einem Jahrzehnt erlebt. Allerdings ist es besonders attraktiv. Oskar von Miller gründete es, um „breitesten Bevölkerungsschichten die Idee, die Geschichte und die Prinzipien von Technik und Naturwissenschaften verständlich zu machen. In einer Zeit, in der, zum Exempel am Stich- und Schlagwort „Kernkraft“, um solches Verständnis heftiger denn je gestritten wird, gewinnt die alte Institution neue Bedeutung,

Mit herkömmlichen Methoden allein kann das Deutsche Museum den Informationshunger heute freilich nicht stillen. Günter Gottmann, der verantwortliche Redakteur von Kultur & Technik, Oberstudiendirektor und Leiter der Museums-Hauptabteilung für Bildung und Öffentlichkeit, will darum auch die neue Zeitschrift als „Ausbruchsversuch“ von der Isarinsel begriffen wissen.

Der Inhalt der ersten Hefte hält, was der programmatische Titel verspricht, und nicht nur deshalb, weil auch über die Arbeit von Künstlern in Industriebetrieben oder über Farbenprobleme alter Malerei berichtet wird. Kultur & Technik selbst erweist sich als ein neues Element in der modernen Kulturlandschaft. Der Ausbruchsversuch dürfte gelingen. Unter allem, was auf dem Zeitschriftenmarkt gepriesen und konsumiert wird, hat diese Zeitschrift ihren eigenen Rang und Reiz.