Flankiert von sechs deutschen Männern betrete ich das Kopenhagener Bierlokal. Einer meiner Begleiter bahnt mir den Weg durch das Gewühl, ein anderer organisiert einen Tisch, ein dritter hilft mir beflissen aus dem Mantel. Selbst ein Bier steht bereits vor mir. Im Eifer unseres Gesprächs tätschelt mir mein linker Nachbar gönnerhaft die Hand, mein rechter streicht mir väterlich übers Haar; und zwischendurch huschen verstohlene Blicke zu den schönen Däninnen im Raum. Balzen wie gewohnt.

Plötzlich erhebt sich eine Dänin, attraktive Mittvierzigerin, und kommt kontaktgewillt auf mein Gegenüber zu, ja, sie macht Anstalten, sich auf seinen Schoß zu setzen. Betretenes Schweigen seitens der deutschen Ritter! Mit verlegenem Lächeln bemühen sie sich, die Situation zu meistern. Einer versucht schließlich, der Dame einen Stuhl anzubieten. Aber die zieht bereits amüsiert wieder von dannen.

Der Kellner stellt ein großes Bier vor den offensichtlich schönsten Mann unserer Gruppe und erklärt, das sei von dem jungen (ausgesprochen hübschen) Mädchen dort drüben in der Ecke. Er möge doch mal hingehen, die Spenderin wolle mit ihm reden. Halb geschmeichelt, halb entsetzt über ein solches Ansinnen scheint unser Beau wie festgeklebt auf seinem Sitz, sein Hals versteift sich, er wagt keinen Blick mehr in die besagte Ecke. Ihr Bier trinkt er dann mit sehr vorsichtigen Schlucken.

Meinen Helden wird die Lage zu brenzlig. Sie murmeln etwas von den im Hotelzimmer wartenden Ehefrauen, zahlen fast hektisch und schon stehen wir auf der Straße. Noch schneller ist allerdings die junge Dänin. Sie fängt uns draußen ab, packt ihren Auserwählten energisch am Arm und zieht ihn, freundlich auf ihn einredend, von uns fort. Nach einigen Minuten kommt er mit eisiger Miene zur neugierigen Gruppe zurück: Sie habe ihn zu einer Party einladen wollen, da habe ein Mann gefehlt.

Man ist sich einig. Emanzipation muß wohl sein, aber so denn doch nicht! Das grenzt ja an Aufdringlichkeit und schlechtes Benehmen! Offene Empörung steht in den Gesichtern – zumindest in denen der fünf Nichterwählten ...

Monika Fresenius