Es ist wieder wie in den Zeiten, als das alte Weltwährungssystem zusammenbrach: Der Dollar ist fast jeden Tag in den Schlagzeilen, und fast jeden Tag erreicht er einen neuen historischen Tiefstand. Am Dienstag dieser Woche erlitt der Dollar mit einem Kursverlust von 3,2 Pfennig gegenüber der Mark den stärksten Wertverlust, den er je an einem einzigen Tag hat hinnehmen müssen.

Der Ursprung der Dollar-Flut, die zunächst über Japan hereinbrach und zu einer kräftigen Aufwertung des Yen führte und jetzt den Kurs der Deutschen Mark und des Schweizer Franken nach oben schwemmt, ist das hohe Zahlungsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten, verursacht vor allem durch die wachsenden Ölimporte. Da die Amerikaner im Gegensatz zu allen anderen Ländern ihre Ölrechnung nicht mit Devisen bezahlen, die zuvor durch eigene Exporte verdient werden müssen, sondern mit ihrer eigenen Währung, brauchen sie sich bei ihren Einfuhren keinerlei Beschränkung aufzuerlegen.

Die Rolle des Dollars als weltweit akzeptiertes Zahlungsmittel hat Amerika schon bei der Finanzierung des Vietnamkrieges ausgenutzt; dies führte zum Zusammenbruch des alten Weltwährungssystems. Dieses Spiel kann nur so lange gutgehen, wie weltweit Vertrauen in die Wertbeständigkeit der US-Währung herrscht. Geht es verloren, so versucht jeder, seine Dollarbestände in härtere Währungen umzutauschen – wie jetzt. Die Leidtragenden dieser Entwicklung sind die Unternehmer und die Arbeitnehmer in jenen Ländern, deren Währungen dadurch übermäßig aufgewertet werden. Weil ihre Produkte an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, müssen sie mit Arbeitsplätzen für die Energieverschwendung der Amerikaner zahlen. mj