Hörenswert

Ry Cooder: "Show Time". So viel Selbstbescheidung ist nun doch etwas enttäuschend: Abgesehen von einigen glanzvollen Solo-Einlagen und einer überwältigenden neuen Version von Alfred Reeds Depression-Blues "How Can A Poor Man Stand Such Times And Live" überläßt Ry Cooder während dieses vierzig Minuten langen Live-Mitschnitts mehr als notwendig und auf seinen Studioplatten üblich das Rampenlicht den Begleitmusikern. Seine Fusion von Gospel-Elementen, Blues und mexikanischer Folklore verfehlt auch hier ihre Wirkung nicht, aber eine wirklich umfassende und befriedigende Dokumentation seiner Auftritte mit der "Chicken Skin Revue", mit der er demnächst wieder nach Europa kommen wird, ist "Show Time" leider nicht geworden. Trotzdem: Das Genie dieses Musikers ist nicht zu leugnen. (Warner Bros. WB 56386)

Franz Schöler

Ehrgeizig

Lucie-Marie Krause: "Variationen und Improvisationen über "Lady Madonna’." Ihre unbändige Lust, nicht nur Klavier zu spielen, wie sie es gelernt hat, sondern am Klavier gewissermaßen mit Musik zu spielen, hat der Hamburger Pianistin überraschend Erfolg in einigen Konzerten gebracht (und die Bekanntschaft mit einem anderen "Spieler" am Klavier, mit Friedrich Gulda). Solchermaßen ermutigt, nimmt sie sich hier das Lied des Beatles Paul McCartney vor. Zuerst unterzieht sie es sieben sehr verschiedenartigen Variationen – das ist, da die Melodie immer deutlich präsent ist, ein originelles musikalisches Vergnügen. Dann erlischt aber plötzlich der fröhlich flackernde Spaß. Die nun folgenden, sehr ausgiebigen, doch nicht gleichermaßen ergiebigen Improvisationen über Teile des Liedes hören sich streckenweise wie eine mit bitterem Ehrgeiz betriebene Ausdeutungsstudie an. "Es ergab sich", notiert die junge Pianistin, "daß immer noch etwas zu sagen war" – nur ist es ein bißchen schwierig, dieser musikalischen Eloquenz zu folgen, (musica Viva MV 30-1040. Gärtnerstraße 120, 2000 Hamburg 20) Manfred Sack

Bemüht

"Bonn-Apart – Große Worte aus dem Bundestag". Jedoch, so erfährt der Plattentütenleser gleich, "dies ist keine politische Platte", auch keine dokumentarische, "obwohl jedes Wort authentisch ist", sondern ein Jux. Der Produzent und seine Helfer haben dafür, wie sie mitteilen, 65 000 Seiten Bundestagsprotokolle gelesen, danach, eine Vorauswahl von Zitaten und Reden auf 14.000 Metern Tonband getroffen, schließlich daraus eine dreiviertelstündige komische Collage gefertigt. Die Ausbeute ist, gemessen an der Menge des Materials, überraschend harmlos und flau. Manches, über das man anfangs noch schadenfroh gelacht hat, verliert schon beim zweiten Hören an Kuriosität und Boshaftigkeit Nur weniges ist so beschaffen, daß es die vordergründige Witzigkeit durchdringt und zur charakteristischen Facette seiner Urheber wird. (RCA PL 30028 AT) Manfred Sack