Es sieht nicht nach einem friedlichen Börsen-Weihnachten aus. Der Dollar-Sturz hat die in den vergangenen Wochen aufgelaufenen Kursgewinne in Gefahr gebracht, auch die Notierungen solcher Papiere, die von der Dollarschwäche nicht unmittelbar betroffen sind. Sie bilden eben den Anlaß zum "Kasse machen".

Dies um so mehr, wenn gleichzeitig "schlechte" Nachrichten die Stimmung verderben. Der bei der Preussag für dieses Jahr angedeutete Dividendenausfall hat den Preussag-Kurs bis auf 122 Mark stürzen lassen. Wenn man bedenkt, daß sich dieser Preis noch auf eine 100-Mark-Aktie bezieht, während bei der AEG 50-Mark-Stücke immerhin zu 86 Mark gehandelt werden, wird deutlich, wie an der Börse die Preussag eingestuft wird. Die Veba-Aktionäre können ihrem Vorstand noch heute dankbar dafür sein, seinerzeit zum Top-Kurs die Veba-Beteiligung an der Preussag an die Westdeutsche Landesbank verkauft zu haben.

Was der Mannesmann- und der AEG-Telefunken-Vorstand über den Geschäftsverlauf ihrer Gesellschaften im Jahre 1977 verlauten lassen, könnte den Börsianern ebenfalls nicht zur Freude gereichen. Und da die negative Gewinnentwicklung bei den Unternehmen der Großchemie längst nicht vergessen ist, läßt sich der aufgekommene Börsenpessimismus auch von dieser Seite her leicht erklären.

Andernorts sind die über die Devisenmärkte hereingeflossenen Gelder bislang nicht bis zum Aktienmarkt vorgedrungen. Allenfalls erfuhren die auf Mark lautenden Auslandsanleihen dadurch eine gewisse Belebung. Erst nach Abklingen der gegenwärtigen Spekulationswelle wird sich zeigen, wie die Ausländer Anlagen in Mark tatsächlich beurteilen. Tendenziell sollten deutsche Effekten für Ausländer interessant bleiben.

K.W.