Der portugiesische Ministerpräsident Mario Soares hat am Dienstag die Vertrauensfrage gestellt, von der das Schicksal seiner sozialistischen Minderheitsregierung abhängt. Staatspräsident General Ramalho Eanes mahnte:

"In diesen Zeiten des Wandels müssen wir jetzt in unserem gegenwärtigen Auf und Ab unseren zukünftigen Kurs finden. Daher fragen sich die Militärs ebenso wie alle anderen Bürger, ob die gegenwärtigen demokratischen Institutionen eine Antwort auf die Probleme des Landes geben können. Dies ist angesichts der andauernd schwierigen Wirtschaftslage eine vernünftige Frage; denn diese Lage hat unserem Volk viele Opfer abverlangt und hat ein bedeutendes Absinken der Lebensqualität der Portugiesen bewirkt. Es ist eine berechtigte Sorge, wenn wir bedenken, daß diese Mehrzahl der Portugiesen nicht im Rahmen organisierter demokratischer Institutionen aufwuchs und wohl die Krise, aber noch nicht Wirkungen der Maschinerie der pluralistischen Demokratie bei der Behandlung und Lösung politischer Krisen gespürt hat...

Portugiesen, Soldaten! In diesen vergangenen 18 Monaten der institutionellen Normalisierung war meine Rolle geprägt von der Schlichtung der Zwistigkeiten zwischen den Institutionen und den politischen und sozialen Kräften. Diese Vermittlerrolle, die eine Reaktion auf die radikalisierten Positionen darstellen und die auf das bürgerkriegsnahe Klima zurückzuführen ist, das wir erlebt haben, diese Vermittlerrolle kann jedoch nicht unbegrenzt weiter gespielt werden, ohne die Bewältigung so grundlegender Probleme zu gefährden, wie die Verbesserung der Handelsbilanz – einer Bedingung für die nationale Unabhängigkeit – und wie die Steigerung der Produktions- und Investitionsbemühungen, die die Oberwindung der Krise und die Verbesserung der Lebensbedingungen gewährleisten werden, worauf wir alle ein Anrecht haben ...

Das Land ist sich gegenwärtig bewußt – und dieses Bewußtsein läßt sich nicht vermeiden –, daß wir die Probleme der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Organisation rasch lösen müssen. Die Aktionen der Regierung, der Verwaltung und das Ansehen der Machtorgane sind unvermeidlich zunehmend von der Wirksamkeit abhängig, mit der dieses Problem angegangen wird. Es reicht nicht mehr, Streit zu schlichten. Die Nonnen wirtschaftlichen Verhaltens und ein politisches Verhalten, das einer höheren Produktion dienlich ist, müssen in das Alltagsleben eingeführt werden. Das Land ist der – berechtigten – Überzeugung, daß die wirtschaftlichen Probleme die schwersten sind, und dies kann nicht ohne eine klare politische Lösung entschieden werden, die tatsächlich über den Bereich der Schlichtung hinausgeht.

Die Lösung kann nur in einer gesellschaftlichen und politischen Vereinbarung gefunden werden, die auf der Grundlage eines parlamentarisch erarbeiteten Programms getroffen wird und ein klares und genaues Vorhaben von Regierung und Verwaltung widerspiegelt. Nur so, durch gemeinsame Bemühungen der politischen Gruppierungen, der gesellschaftlichen Kräfte und der Vertreter der Wirtschaft wird es möglich sein, den politischen Entwurf wirklich lebensfähig zu machen...

In der Versammlung der Republik hat ein Verhandlungsprozeß begonnen, der eine solche politische Vereinbarung zum Ziel hat... Das Land hat gute Gründe, zu erwarten, daß die politischen Parteien die Situation, vor der sie stehen, offen und realistisch einschätzen und ihre Wahl treffen. Wenn diese Vereinbarung erreicht ist, wird man kostbare Zeit gespart haben, die für die Aufgabe der wirtschaftlichen Erholung und für die Lösung der drängenden Probleme benötigt wird, unter denen unser Volk leidet...

Die Streitkräfte werden es nicht erlauben, sich von der Dramatik der, Lage in Mitleidenschaft ziehen zu lassen, die zwar zweifellos in realen Schwierigkeiten wurzelt, aber von den Verfechtern des Links- und Rechtstotalitarismus manipuliert wird. Möge keiner von uns daran zweifeln, daß im institutionellen Rahmen eine Lösung gefunden werden kann, ohne daß ein autoritärer Eingriff nötig ist. Lassen Sie dies zu einer für uns und alle Portugiesen unausweichlichen Wahrheit werden! Lassen Sie wertlose Gerüchte, üble Andeutungen und Verleumdungen keine Aufnahme bei uns finden!..."