Sehenswert

„Things to Come“ von William Cameron Menzies. Ein Klassiker des Science-fiction-Films vom bedeutendsten Architekten des amerikanischen Kinos („Vom Winde verweht“). Alexander Korda produzierte 1936 diesen bis dahin teuersten englischen Film, zu dem der legendäre H. G. Wells nach seinem Roman „The Shape of Things to Come“ das Drehbuch schrieb: Die Chronik von „Everytown“ (gleich London), die vom friedlichen Weihnachtsfest 1936 über einen Weltkrieg apokalyptischen Ausmaßes bis zum Jahr 2036 reicht, wo der Enkel des Helden John Cabal (Raymond Massey in beiden Rollen) in einer „schönen neuen Welt“ sein Raumfahrtprojekt startet: Der Entwurf des utopischen Sozialisten Wells von einer technokratischen. Ideal-Gesellschaft erscheint heute nicht nur antiquiert und naiv, sondern mit seiner Apologie der Ordnung, seinen prätentiösen Phrasen vom „neuen Menschen“, seiner Choreographie der Massen wie eine Apotheose prä-faschistischer Vorstellungen. Doch trotz dieser zwiespältigen Tendenz ist „Things to Come“ ob des Einfallsreichtums seiner Kamera (George Perinal) und seiner futuristischen Dekors immer noch faszinierend: ein Triumph visueller Phantasie über dubiose Ideologie. Und außerordentlich beklemmend wirkt Wells’ prophetische Vision eines Bombenangriffs auf England 1940, die vom Premierenpublikum als „zu phantastisch“ verlacht wurde. In untertitelter Originalfassung in den Programmkinos. Helmut W. Banz

Beachtlich

„Stunts“ von Mark Lester. Endlich mal wieder ein schönes B-Picture: Intelligenz statt Aufwand, Tempo und Artistik Statt blinder Gewalt. Mit lakonischen Dialogen und brillanten Action-Sequenzen beschreibt der weithin unbekannte Regisseur die gefährlichen Abenteuer eines Hollywood-Sensationsdarstellers (Robert Forster), der zusammen mit einer englischen Journalistin (Fiona Lewis) eine Serie von Mord-Anschlägen an Kollegen aufklärt. Zwar verklärt Lester die Arbeit der Stunt-Men zum romantischen Job für harte Männer, dennoch erfährt man einiges über die Alltags-Existenz der Sensationsdarsteller. Mit seiner fröhlichen Naivität schließt der Film an eine fast vergessene Hollywood-Tradition an, beschwört beiläufig den Charme der alten „Serials“, den George Lucas in seinem Super-Erfolg „Krieg der Sterne“ nur plump ausschlachtet.

Hans C. Blumenberg

Ärgerlich

„Anschi und Michael“ von Rüdiger Nüchtern. Der Lehrling Michael verliebt sich in die Gymnasiastin Angelika, Nüchtern, Absolvent der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film, hat seinen zweiten langen Film aus einer 1975/76 gedrehten Fernsehserie kompiliert. Nicht die bescheidenen Farb- und Tonqualitäten der vom 16-mm-Format auf 35 mm aufgeblasenen Kinokopie sind das eigentliche Ärgernis. Schade, daß einer der wenigen deutschen Filme, die sich mit dem Gegenwartsalltag Jugendlicher befassen, von den notorischen „Schulmädchenreports“ sich hauptsächlich nur durch seine sympathischere. Gesinnung unterscheidet Arg, wie aus jeder Szene das „Problem“ lugt, das die Gymnasiasten-Laienspielschar illustrieren soll. Ärgerlich, wie unpräzise mit Details umgesprungen wird. Allzuoft sind die Dialoge schlicht peinlich, und allzuoft türmt Nüchtern Klischee auf Klischee. Leider kein Film, der Erfahrungen sinnlich mitteilt, sondern ein Film, der Darsteller als Vehikel gutgemeinter Ideen benutzt. Bodo Fründt