Natürlich wäre Manfred Niehaus froh, wenn seine Oper über Alphonse Daudets Geschichte über "Die Abenteuer des Tartarin aus Tarascon" so etwas würde wie Humperdincks "Hänsel und Gretel": keine Kinderoper mit einer "für die Zielgruppe reduzierten Musik", sondern eine, die allen gleichermaßen Spaß machte, eine richtige Oper also. Doch wenn der junge Komponist auch meint, sein Werk lasse sich dramaturgisch auch vergrößern, für volles Orchester statt für zehn Instrumente und für eine veritable Bühne statt für einen Werkraum, muß man ihn warnen: ein Luftballon, den man zum Freiballon aufbläst, platzt. Er sollte mit seiner "Hamburger Fassung" zufrieden sein – und hoffen, daß er immer einen solchen Regisseur wie den bei Felsenstein trainierten Siegfried Schoenbohm findet, einen solchen Tarascon (Toni Blankenheim) und so eifrig spielende und so intonationssicher singende Kinder wie bei der Uraufführung in der Opera stabile.

Tatsächlich wendet sich der Beifall vor allem an die Inszenierung und die Ausstattung aus lauter provinziellem Plunder, genauer noch: an diese wunderbare Mischung aus Oper und Zirkus (der in Gestalt einer männlichen Riesendame und eines Löwen auch leibhaftig auftritt), aus Opernsängern, enthusiasmiert spielendem Kinderchor und Publikum, aus dem Bühnenbild und dem "Parkett", das aus ein paar Stühlen und viel mehr Sitzkissen besteht, die ins Bühnenbild gehören, aus dem unbeschwerten Spiel der Geschichte vom Aufschneider Tarascon, der in der tiefen provençalischen Provinz seine Heldentaten spinnt, auf einer Exkursion ausgeplündert wird und bei der Heimkehr nachsichtig empfangen wird. Der Komponist macht aus ihm freilich einen geradezu furchterregend geläuterten Mann und die Moral zu einer Platitüde.

Niehaus ist gleichwohl eine hübsche kleine Nummern-Oper gelungen, mit einer unauffälligen, etwas dünnblütigen, aber recht illustrativen Begleitmusik. Daß dieses Spiel mit Musik, wie gewünscht, tauglich ist für "Menschen ab sechs", haben einige bereits erwachsene bewiesen: Sie haben laut gelacht, was in Opernhäusern selten vorkommt. Manfred Sack