Beiträge zum Verständnis des Unverständlichen

Von Hans Gresmann

Das Verteufelte bei allen Versuchen, Terrorismus zu beschreiben, oder gar zu analysieren, liegt darin, daß dieses Schreckensphänomen sich jeder handlichen, rundum gültigen Begriffsbestimmung entzieht. Kurzformeln stoßen ins Leere. Der suchende Verstand bleibt auf dem mühevollen Weg des Eintreibens.

Ein Historiker, ein Journalist und ein Politologe haben, jeder auf seine Weise, zuweilen gewiß auch strauchelnd diesen Weg beschritten. Das Gedankenergebnis liegt in drei bemerkenswerten Büchern vor.

Der Historiker, Professor Walter Laqueur, wandernde Autorität zwischen geistigen Zentren der westlichen Welt, hat sich durch seine profunde Darstellung des heimlichen – und daher unheimlichen – Krieges in die höchste Expertenetage geschrieben: Sein Buch "Guerrilla" (siehe Besprechung in der ZEIT Nr. 20/1977) gilt in der Flut der Hervorbringung zu diesem Thema unbestritten als Standardwerk. Den Terrorismus hatte er damals aus einsichtigen Ordnungsgründen ausgeklammert. Jetzt liegt seine neue Arbeit vor:

Walter Laqueur: "Terrorismus"; Athenäum Verlag, Kronberg 1977; 243 S., 36,– DM.

Ob auch dieses Buch wieder als Standardwerk Bestand haben wird, mag fraglich, bleiben. Am Tatbestand des Terrorismus, so scheint mir, erweisen sich die Grenzen historischer Durchdringung. Zwar gibt es auch hier verblüffende Funde, wenn etwa Laqueur berichtet, das um 1880 die russischen Revolutionäre nach ihrem Mißerfolg bei der Mobilisierung der Massen im Terror den einzigen Ausweg sahen, die Regierung zu diskreditieren und der Gesellschaft zu beweisen, daß eine revolutionäre Partei nicht nur existiere, sondern erkennbar stärker werde – wer zöge da nicht beklemmende Vergleiche zu unserer Gegenwart?