Ein mißlungenes Plädoyer

Von Gunter Hofmann

Die Ohnmacht des Lesers, der sich betrogen fühlt um ein Stück versprochener Aufklärung, hat mich bei der Lektüre von

Theodor Leuenberger/Rudolf Schilling: "Die Ohnmacht des Bürgers. Plädoyer für eine nachmoderne Gesellschaft"; S. Fischer Verlag, Frankfurt 1977; 341 S., 24,– DM.

befallen. Die beiden Autoren wollen hoch hinaus, wollen eine Epoche auf den Begriff bringen, ihr Allgemeines am Besonderen aufzeigen und Konsequenzen daraus ableiten. Sie präsentieren ein "modernes" Thema, in modernem Gewand. Das Buch ist insofern recht typisch für eine ganze Gattung; um sie geht es auch, wenn von dem Plädoyer der Leuenburger/Schilling die Rede ist.

Wer Weber im Munde führt...

Am Beispiel von Städtebau, Bürokratie, Technokratie und Wissenschaft suchen die Schweizer Autoren ihre These zu belegen, die lautet: Bisher sei die Qualität gesellschaftlicher Veränderungen daran gemessen worden, ob sie "modern" waren oder nicht. Modernität aber heiße "Herrschaft einer geradlinigen Rationalität, in der alles berechnet, vorausgesagt, quantifiziert und zugeordnet werden kann". Gegenwart sei jeweils als "neue Einheit, neue Epoche, neues Jahrhundert" und damit immer auch als Fortschritt begriffen worden. Für ihr Gesellschafts- und Geschichtsbild benutzen Leuenberger/Schilling dagegen den Begriff "nachmodern".