Die Kosmetikindustrie beschert den Damen ein neues Gesicht

Von Marietta niederer

Es gibt wenig Märkte in unserer Wirtschaft, die so expandieren wie der von neuen Ideen lebende und ständig neue Ideen fordernde Kosmetikmarkt", so ein Insider der Branche aus dem Haus Rubinstein. Die jungen Pressedamen aller großen Kosmetikfirmen bestätigen es lächelnd. Ihr duftender Beruf gilt als Traumjob.

In der Kosmetik, genauso wie in der Mode, spricht man eine Sondersprache. Hierzulande ist es ein Kauderwelsch aus Englisch, Französisch und Deutsch. Die Kundinnen fühlen sich international bedient und finden in jeder beigelegten Anweisung – meistens sogar in vier Sprachen – die ihnen passende Erklärung. Selten werden Gebrauchsanweisungen so genau studiert wie die für Schönheitspflege und Make-up. Denn hier hat man sich doch als Ziel gesetzt, "strahlend jung", oder später "mindestens zehn Jahre jünger" auszusehen. Kosmetik und Make-up gelten als Jungbrunnen unserer Zeit.

Weihnachten ist in Sicht, und die "großen Häuser" lancierten in schöner Eintracht ein attraktives, kupfriges Make-up in die Schaufenster. Bei Chanel unter den Begriffen "Holzkohlenfeuer" mit den warmen: Tönen rund um den Kamin, "Sienna" für den Teint, "Midi" für Puder, "Feu" als Nagellack und ein sattes feuriges Rot für die Lippen. Elizabeth Arden bietet "Maulbeerrot" für Lippen, "Tabak" für Lidschatten, "Toast-beige" für den Teint. Serge Lutens, seit 1968 Visagist und Createur des "Trend-make-ups" für Christian Dior, huldigt Marcel Proust, denkt an Charles Swann und kreierte prompt "Die Poetischen" mit "Rouge de Swann" für Lippenstifte, die purpurroten Samt verheißen. "Treibhausrot" nennen sich die braunroten vollen Farbtöne, und "Rose de Swann" erinnert an die fahlen Rosentöne schwerer Tafte. Diese Farben werden auch für Nagellacke wiederholt. Der Teint bleibt hell mit "Dünenbeige" als Fond und wird möglichst unsichtbar mit Puder mattiert.

Acht dicke Farbstifte

Weniger dekadent ist die "line" von Estee Lauder (aus den USA), deren Make-up offensichtlich dem Gewürzmarkt entliehen ist. Glanz, Gloss und Glamour entstehen aus Farbtönen, die von Paprika, rosigem Muskat, Dattelbraun, Wacholder, Senfmehl und Maronen entlehnt sind: Glanzlichter auf Stirn und Kinn, Gloss als Brillanz für Lippen, Glamour ergibt sich dann von selbst. Neu sind die acht dicken Farbstifte (ein Extraspitzer gehört dazu), die dem Eiligen das Rougieren der Wangen erleichtern sollen. Man lasse sie nur nicht ins Kinderzimmer entführen – dafür sind sie zu teuer.