"Der Idiot der Familie – Gustave Flaubert" ist eines der Hauptwerke von Jean-Paul Sartre. Das mehrere tausend Seiten umfassende Werk wird unvollendet bleiben: Der kranke, erblindete Philosoph und Schriftsteller wird dieses Meisterwerk literarischer, psychologischer und soziologischer Interpretationskunst nicht abschließen können. Im Deutschen wird das riesige Werk über einen der großen realistischen Erzähler des neunzehnten Jahrhunderts, in dem sich Zeit und Person Sartres immer wieder spiegeln, fünf Bände umfassen. Der erste Band ("Die Konstitution") ist im Frühjahr erschienen. Jetzt liegt der zweite Band vor: Jean Paul Sartre: "Der Idiot der Familie – Gustave Flaubert 1821–1857 – Die Personalisation", aus dem Französischen von Traugott König; dnb 89, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 1977; 476 S., 32,– DM. Fritz J. Raddatz, der den ersten Band kritisch vorgestellt hat ("Höllenritt und Totentanz", DIE ZEIT Nr. 9/18. Februar 1977), präsentiert den zweiten in einem Werkstattgespräch mit Sartres deutschem Übersetzer Traugott König.

ZEIT: Sie sind von Beruf freischaffender Übersetzer, ist das richtig?

Traugott König: Nein, das ist nicht richtig. Ich bin festangestellt und wahrscheinlich der einzige Übersetzer in der Bundesrepublik, der für ein größeres Werk einen festen Anstellungsvertrag hat. Das hebe ich hervor, weil ich das meinen Kollegen und auch mir für später wünsche. Und in dem Fall kann ich wirklich Rowohlt nur loben.

ZEIT: Sie sind angestellt wie ein Redakteur, bekommen ein Gehalt, sind versichert usw., als säßen Sie in Reinbek, nur daß Sie in Frankfurt sitzen – ausschließlich für Sartre?

König: Ausschließlich für dieses Werk, "Der Idiot der Familie – Gustave Flaubert".

ZEIT: Nur für dieses eine Werk?

König: Ja. Wenn ich für Rowohlt etwas anderes mache wie jetzt die Edition "Sartre über Sartre", dann bekomme ich dafür einen Extravertrag. Angestellte Übersetzer kennt man sonst nur aus Osteuropa. Die müssen dann allerdings alles übersetzen, was ihnen auf den Schreibtisch kommt.