Friedrich Heer, Joachim Kahl, Karlheinz Deschner im Clinch

Von Joachim Günther

Seltsam, wie die Haltungen sich verändert, ja umgedreht haben: Wenn vor hundert, vor zweihundert Jahren ein Atheist, ein Agnostiker und ein Christ sich unter ein Buchnach begeben hätten (illusionäre Vorstellung, jeder schrieb seine Bekenntnisse allein, polemisierte von Buch zu Buch), hätte man vom Christen wahrscheinlich am meisten Dogmatik, Intoleranz, Bekenntnissicherheit zu hören bekommen.

Inzwischen sind Atheisten, sogar Agnostiker viel "sicherer" geworden. So jedenfalls bei dem Trio, das sich zu dem Buch "Warum ich... bin" freundschaftlich vereinigt hat.

Friedrich Heer / Joachim Kahl / Karlheinz Deschner: "Warum ich Christ/Atheist/Agnostiker bin", herausgegeben von Karlheinz Deschner; Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 1977; 216 S., 19,80 DM.

Der Gedanke scheint auf Deschner, den "Agnostiker" zurückzugehen. So wenigstens kündet es ein Vorsprach, der ironisch "Gott zum Gruß?" überschrieben ist, an. Wie so oft inzwischen hat bei dem Buch der Rundfunk Pate gestanden. Deschner hat sein "agnostisches Weltbild" zuerst im Südwestfunk ausgebreitet. "Ich beschloß, es stark zu erweitern und mit dem Bekenntnis eines Christen und Atheisten – alte Kombattanten beide – in Buchform herauszugeben