Die Fronten im Nahen Osten sind jetzt: klar: Die Verhandlungsstaaten sind Israel und Ägypten, die Ablehnungsstaaten Syrien, Libyen und Algerien mit der Palästinensischen Befreiungsfront. Das ist das Resultat der Anti-Sadat-Konferenz von Tripolis.

Nach, dem spektakulären Besuch des ägyptischen Präsidenten in Jerusalem wollten sich fünf arabische Staaten und die PLO auf einen gemeinsamen Konfrontationskurs gegen Sadats "Verrat" einigen. Das mißlang. Der Irak, dem die Ablehnungsformel noch zu weich war, schied aus. Auf Drängen Syriens, das Friedensverhandlungen nicht von vornherein blockieren will, kamen die restlichen Länder überein, die Beziehungen zu Kairo lediglich "einzufrieren". In einem spontanen Gewaltstreich brach daraufhin Sadat die diplomatischen Beziehungen zu Syrien, Algerien, Libyen, dem Südjemen und dem Irak ab.

In dem Kommuniqué der Anti-Sadat-Fronde wird auch die Verlegung des Sitzes der Arabischen Liga aus der ägyptischen Hauptstadt gefordert. Da dies aber nur mit der Mehrheit der 22 Ligamitglieder geschehen kann, gilt das Vorhaben von vornherein als aussichtslos.

Zweifelhaft ist auch, ob die Versöhnung zwischen Arafat, dem PLO-Chef, und Habasch, dem Anführer der radikalen palästinensischen "Volksfront" von Dauer sein wird. Wie der Syrer Assad hatte auch Arafat versteht, mäßigend auf die Extremisten in Tripolis einzuwirken. In seiner Vereinbarung mit Habasch ist er nun sogar bereit, nicht an einer Genfer Friedenskonferenz teilzunehmen, wenn Israel am Tisch sitzen sollte. Das ist eine Abkehr von der alten PLO-Marschroute.

Sadat, der das Treffen von Tripolis als "Quatsch" bezeichnete, hat das Datum für die Genfer Vorbereitungskonferenz in Kairo festgelegt: den 14. Dezember. Inzwischen versuchen Saudi-Arabien und Jordanien, die sich noch in keines der beiden Lager geschlagen haben, den neuen innerarabischen Bruch zu kitten. Vor allem König Hussein, der Syrien vertraglich verpflichtet, an Ägypten gebunden ist, will die Chance nicht vertun, an dem beginnenden Friedensprozeß mitzuwirken. Vorläufig sieht es aber eher nach einem israelisch-ägyptischen Separatabkommen aus.

Das vermuten auch die Amerikaner, die Außenminister Vance auf eine neue Blitzreise durch den Nahen Osten schicken. Er soll ebenfalls versuchen, den Teilnehmerkreis für die KairoerKonferenz zu vergrößern und vor allem das Zerwürfnis zwischen Ägypten und Syrien zu schlichten. Sadat hat in einem Interview erläutert, wie er auf die Idee kam, nach Jerusalem zu gehen: Ein Brief Jimmy Carters habe ihn darauf gebracht. Er wie die Amerikaner und die Engländer, bei denen der israelische Ministerpräsident Begin zu Besuch war, erwarten von Jerusalem weitreichende Zugeständnisse zugunsten der Ägypter. Das heißt: Völliger Rückzug aus dem Sinai. D. St.