Warum die Entwicklungsländer die Genfer Rohstoffkonferenz platzen ließen

Von Wolfgang Hoffmann

Die Industrieländer der westlichen Welt können aufatmen. Nach wochenlanger Verhandlung über eine Stabilisierung der bisher je nach Angebot und Nachfrage schwankenden Rohstoffpreise haben die Entwicklungsländer von sich aus das Handtuch geworfen. Zwei Tage vor Schluß der Rohstoffkonferenz in Genf steuerten die Wortführer der Dritten Welt die angeblich sinnlos gewordene Debatte im Nord-Süd-Dialog in eine Sackgasse. Begründung: Den wichtigsten Industrieländern fehlt der politische Wille zum Konsens.

Den Schwarzen Peter wurden die Entwicklungsländer damit freilich nicht los. Denn trotz Verhandlungsbereitschaft der Industrieländer behaarten sie am Ende auf ihrer Position des Alles oder Nichts.

Die Kernforderung der Entwicklungsländer ist ein integriertes Rohstoffprogramm mit Preisgarantien für eine noch festzulegende Zahl wichtiger Rohstoffe. Schwankungen des Absatzes und der Preise sollen über Rohstofflager ausgeglichen werden. Die Finanzierung soll über einen "Gemeinsamen Fonds" erfolgen. In der Konferenzsprache hat sich dafür der Begriff "erstes Fenster" eingebürgert.

Das "zweite Fenster" umfaßt "sogenannte andere Maßnahmen", die nichts mit Ausgleichslagern und Preisstabilisierung zu tun haben. Aus dem Fonds sollen nämlich auch Länder finanziell unterstützt werden, die selbst noch keine wettbewerbsfähigen Rohstoffe haben. Er soll Maßnahmen finanzieren, die erst der Entwicklung eines Rohstoffes dienen, der Diversifizierung, der Produktivitätsverbesserung, der Vermarktung oder der Forschung und Entwicklung. Es handelt sich um produktbezogene Entwicklungsprojekte. Beispiel: Geld zum Aufbau einer Erdnußfarm im Tschad.

Um Rohstoffabkommen und den Gemeinsamen Fonds wird schon seit Jahren gerungen, konkret verhandelt jedoch erst seit der IV. Welthandelskonferenz, die im Frühjahr vergangenen Jahres in Nairobi stattfand. Obwohl die wichtigsten Rohstoffverbraucherin der Industriewelt sich anfangs weigerten, der Fondsidee überhaupt zuzustimmen, weil sie eine dirigistische Rohstoffmarktordnung im Stil der europäischen Agrarmarktordnung befürchteten, waren die westlichen Delegationen schließlich doch mit einem Kompromißpaket nach Genf gereist.