• Die deutsche Stahlindustrie ist umgeben von Konkurrenzländern, die ihre eigenen Industrien durch Einfuhrbeschränkungen und staatliche Förderungsmaßnahmenschützen.Kann das die deutsche Stahlindustrie noch überleben?

Köhler: Die deutsche Stahlindustrie ist nicht zuletzt deswegen die produktivste in Europa, weil sie sich in einem ständigen, aber Sozialkonfliktfreien Anpassungsprozeß immer wieder auf neue Wettbewerbsbedingungen eingestellt hat. Den unverfälschten Wettbewerb hat sie nicht zu fürchten.

Die Bundesregierung muß deshalb sehr energische Schritte mit dem Ziel unternehmen, daß dieser Subventionswettbewerb in anderen europäischen Ländern zur Erhaltung unproduktiverer Anlagen und Arbeitsplätze beendet wird.

Es ist aber auch notwendig, daß die deutsche Stahlindustrie von den Sonderlasten freigestellt wird, die ihr als einziger Stahlindustrie der Welt im Interesse der deutschen Kohle aufgebürdet werden.

  • Die deutsche Stahlindustrie ist zwar die produktivste in Europa, hinkt sie aber nicht der japanischen Stahlindustrie hinterher?

Köhler: Auf dem Weltmarkt gibt es in der Tat einen Umverteilungsprozeß, der aus dem Wettbewerb sogenannter Niedriglohnländer gegenüber den traditionellen hochindustrialisierten Ländern entstanden ist. Moderne Hochofenanlagen und Stahl- und Walzwerke in Deutschland sind im Prinzip nicht unproduktiver als japanische Anlagen. Die Lohnkosten aber liegen in Japan nur knapp über der Hälfte der deutschen. Das gleiche gilt im Verhältnis zu einer Reihe anderer Länder.

Auf diese neue Lage müssen sich alle Industrienationen einstellen. Allerdings nur dann, wenn diese Niedriglohnländer sich auf die natürlichen Wettbewerbsvorteile beschränken und nicht zusätzlich zu diskriminierenden Praktiken greifen.