Das Schiff heißt MS Europa and ist in Bremerhaven zu Hause. Allerdings sieht man es da nur sehr selten; der 21 514-Bruttoregister-Tonner ist 330 Tage im Jahr unterwegs. In der Ostsee und im Mittelmeer, im Atlantik und im Pazifik trifft er (meist) pünktlich dort ein, wo Kreuzfahrer warten, um ihren Urlaub auf einer festgelegten Route an Bord zu verbringen.

Daß die MS Europa auch gerade dann in Las Palmas festgemacht hat, wenn dort ein Flugzeug aus Frankfurt mit Urlaubern angekommen ist, die zur großen Osterkreuzfahrt entlang der nordafrikanischen Küste starten wollen, daß sie pünktlich für die Nordlandsaison in Bremerhaven einläuft, obwohl sie doch gerade noch in der Ägäis fuhr, das ist das Werk von einigen Männern, die bei der Bremer Reederei Hapag Lloyd im Planungsbüro sitzen. –

Sie machen – wie die Planer in anderen Kreuzfahrtreedereien – sich schon eineinhalb Jahre im voraus Gedanken darüber, welche Häfen das Schiff anlaufen soll. Am Anfang der Arbeit in der Abteilung "Passagierdienst, Operating, Planung" stehen nur die technischen Daten fest, bei der MS Europa eine Länge von 183 Metern, eine Breite von 23,5 Metern, Tiefgang acht Meter, Masthöhe 56,50 Meter und Geschwindigkeit 17 Seemeilen in der Stunde. Schon scheiden einige Häfen aus, die das Schiff wegen seiner Ausmaße gar nicht anlaufen kann. Die Geschwindigkeit bestimmt, wie viele Häfen das Schiff in wie vielen Tagen anlaufen kann. Je schneller das Schiff, desto mehr Sehenswürdigkeiten können abgehakt werden.

Die Einsatzgebiete sind durch Jahreszeit und Klima vorgegeben: im Sommer der Norden, etwa eine Polarkreuzfahrt, im Herbst der mittlere Süden, worunter Florida oder die Bermudas gerechnet werden können, im Winter die Karibik oder Südamerika und im Frühling das Mittelmeer.

Schließlich berücksichtigen die Planer nach Möglichkeit auch Kundenwünsche: Es gibt viele Wiederkehrer, sogenannte Stammkunden, unter den Kreuzfahrern, die ihrem auserwählten Schiff gern treu bleiben, wenn es von Jahr zu Jahr genügend Abwechslung in der Route bietet. So wird auch jener Herr aus Hannover, der seit vier Jahren die Reederei bittet, doch endlich einmal St. Helena anzulaufen, durchaus ernst genommen.

Einer der Planer in den Bremer Büros, Wilfried Meier, hat das Patent eines Kapitäns auf großer Fahrt und ist selbst jahrelang zur See gefahren. Er plant jetzt in der Theorie, was er von der Praxis her genau kennt. "Wir haben dafür", erzählt er, "eine komplette nautische Ausrüstungwie auf einem Schiff Gezeitentafeln, Stromatlanten, Seekarten."

Zwischen Anfang- und Endhafen wird mit diesen Hilfsmitteln dann eine Reise zusammengebastelt, die sowohl dem Kunden wie auch den geographischen Gegebenheiten gerecht werden muß. Und das ist ein Puzzlespiel, bei dem oft gefundene Möglichkeiten wieder umgestoßen und durch neue Variationen ersetzt werden.