Erste Schwalben

Schrittchen für Schrittchen geht die israelischägyptische Normalisierung weiter. Ohne Genehmigung der Regierung in Jerusalem, aber von Kairoer Offiziellen begrüßt, trafen zwei Reporter des staatlichen israelischen Fernsehens am Nil ein. Sie verstärken ein Journalistenteam von drei Zeitungskorrespondenten, die neuerdings aus Kairo für Tel Aviver Blätter berichten. Einer von ihnen benutzte zur Einreise seinen israelischen Paß. Ein Photo, daß die Abendzeitung Jediot Acharonot veröffentlichte, zeigt einen ägyptischen Juden, der vor Freude das Ausweispapier küßt. Angeblich gibt es in Kairos Buchladen auch zwei neue Bestseller: die Autobiographien Golda Meïr und Moshe Dayans in englischen Fassungen.

Die Koalition zahlt und schweigt

Vielleicht hat nicht nur eine Ebbe in der Kasse die Union veranlaßt, den Bundestag um Erstattung von Prozeßkosten zu ersuchen; kann sein, daß sie den Sieg auch auskosten will. 60 000 Mark wünscht die CDU nämlich aus dem Parlamentstopf für die Verfassungsklage, die sie in Karlsruhe gegen überplanmäßige Ausgaben der Regierung aus dem Jahr 1973 angestrengt hatte, denn das sei in allgemeinem Interesse geschehen. Die Richter gaben damals der Opposition recht, weil das Parlament von der Regierung übergangen worden sei. Bei der FDP fand die Union jetzt mit ihrem Wunsch Gehör. Die SPD bleibt zwar beim "Nein", weil es für das Ansinnen keine Rechtsgrundlage gebe, sie ist aber offenbar bereit, im Haushalt eine einmalige Sonderzahlung einzuplanen, weil die FDP nun schon mal "ja" gesagt hat... Kurz, die Koalition zahlt und schweigt.

Sterbendes Welsh

Die "Devolutions"-Debatte in Großbritannien hat neue Nahrung bekommen – aber in erster Linie für ihre Gegner. Eine jetzt erschienene Untersuchung belegt, daß "Welsh" eine sterbende Sprache ist. Während vor 50 Jahren noch, vierzig Prozent aller Waliser ihre Muttersprache beherrschten, ist diese Zahl jetzt auf knapp 20 Prozent der rund 2,76 Millionen Waliser abgesunken – und das auch nur, weil die der Sprache unkundigen Jugendlichen abgewandert sind und eine ältere, noch Welsh sprechende Bevölkerung in den ländlichen Bezirken zurückgelassen haben. Die Waliser wünschen Hilfe: in erster Linie durch ein (staatliches) viertes Fernsehprogramm in Welsh und eine Tageszeitung in ihrer Sprache.

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